Nicht saure antipyretische Analgetika, z. B. Paracetamol, Metamizol oder Phenazon, wirken wie die NSAR schmerzhemmend und fiebersenkend, jedoch kaum antiphlogistisch. Ihre pharmakologischen Effekte sollen vorwiegend zentral bedingt sein. Die nicht sauren Analgetika überwinden schnell die Blut-Hirn- Schranke und hemmen vor allem die durch nozizeptive Stimuli hervorgerufene Prostaglandinsynthese auf Rückenmarksebene und im Zentralnervensystem. Auf peripherer Ebene kommt es vermutlich zu keiner relevanten Beeinflussung der Prostaglandinsynthese, was die fehlenden antiphlogistischen Eigenschaften erklärt. Gastrointestinale Nebenwirkungen und Thrombozytenaggregation sind ebenfalls weniger stark als bei den NSAR. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt. [2]

2.1.2.1 Paracetamol

Das Anilin-Derivat Paracetamol ist gut antipyretisch und etwas schwächer analgetisch wirksam. [2] Paracetamol ist in Packungen, die 10 g Wirkstoff überschreiten, verschreibungspflichtig. [5] Es ist das derzeit einzige Analgetikum, das zur Behandlung während der gesamten Schwangerschaft zugelassen ist. Es wird in Form von Zäpfchen oder Säften auch für die Behandlung von Fieber bei Säuglingen (ab 3 kg) und Kindern verwendet.

Abb. 8: Strukturformel von Paracetamol

Dosierung: [2]
  • Erwachsene: 500–1000 mg (max. 4000 mg pro Tag)
  • Kinder: 10 mg/kg Körpergewicht (KG) (max. 50 mg/kg KG pro Tag)
Risiko und Besonderheiten: [2]
  • Paracetamol hat eine geringe therapeutische Breite ➔ Hepatotoxizität bei Überdosierung! (Dosen > 10 g führen unbehandelt zu tödlichen Lebernekrosen. Bei vorgeschädigter Leber können bereits 4–6 g problematisch sein.)
  • relative Kontraindikationen: hepatozelluläre Insuffizienz, chronischer Alkoholmissbrauch, schwere Niereninsuffizienz, Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht)
  • maximale Behandlungsdauer in der Selbstmedikation: 3 Tage