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Rezepturwissen

Was ist eigentlich die Hilfstaxe?

Die Preisbildung verschreibungspflichtiger Arzneimittel ist in Deutschland in der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) geregelt. Als Ergänzung zur AMPreisV legt die Hilfstaxe die Preisberechnung von nicht industriell hergestellten Arzneimitteln, insbesondere Rezepturarzneimitteln, fest. Was die Hilfstaxe genau beinhaltet, zeigt folgender Beitrag.

Inhalt der Hilfstaxe

In § 4 und § 5 der AMPreisV wird auf den „Vertrag über die Preisbildung für Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“ – die sogenannte Hilfstaxe – verwiesen. Dieser Vertrag wird zwischen den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-Spitzenverband) und dem Deutschen Apothekerverband e. V. (DAV) geschlossen. In diesem sind Preise vereinbart, die für die Preisberechnung bei der Abgabe von unverarbeiteten Stoffen und bei der Abgabe von Rezepturen als Grundlage dienen.

Die Hilfstaxe für Apotheken enthält unter anderem Folgendes:

  1. Gesetzestext der AMPreisV
  2. Liste der Stoffpreise
  3. Liste der Gefäßpreise
  4. Taxhilfen für die Substitutionstherapie
  5. Mehrwertsteuer-Tabelle
  6. Kurzanleitung zur Berechnung der Preise für Rezepturarzneimittel

In den Anlagen der Hilfstaxe finden sich die Einzelpreise für Stoffe und Gefäße, aber auch für spezielle Rezepturen, wie beispielsweise Substitutionstherapien oder parenterale Rezepturlösungen. Diese Preise sind bindend und setzen sich aus den Durchschnittspreisen der Großhändler zusammen. Sie sind damit unabhängig vom tatsächlichen Einkaufspreis der herstellenden Apotheke (AEK).

Diese Anlagen enthält die Hilfstaxe:

Anlage 1 Liste der Stoffpreise
Anlage 2 Liste der Gefäßpreise
Anlage 3 Preisbildung für parenterale Lösungen
Anlage 4 Preisbildung für Methadon-Lösungen
Anlage 5 Preisbildung für individuelle Zubereitungen und Fertigarzneimittelteilmengen mit dem Wirkstoff Levomethadonhydrochlorid
Anlage 6 Preisbildung für Buprenorphin-Einzeldosen für Take-home-Verordnungen
Anlage 7 Preisbildung für Buprenorphin/Naloxon-Einzeldosen
Anlage 8 Abrechnung von Teilmengen aus N1-Fertigarzneimittelpackungen
Anlage 9 Preisbildung für die Abgabe von Oseltamivir-Zubereitungen im Pandemie-Fall

Anlagen 1 und 2

Wird in der Apotheke ein unverarbeiteter Stoff abgegeben, richtet sich die Preisermittlung nach § 4 AMPreisV. Wird eine Rezeptur hergestellt, so ermittelt sich der Preis nach § 5 AMPreisV.

Abb.: Preisberechnung nach § 4 und § 5 AMPreisV

Basis der Preise der verwendeten Wirk- und Hilfsstoffe und Verpackungsmaterialien sind die Grundpreise bzw. Einkaufspreise gemäß den Anlagen 1 und 2 der Hilfstaxe. Anlage 1 enthält die Preise für Arznei- und Hilfsstoffe, Anlage 2 die Preise für Gefäße. Beide Anlagen sind angeordnet nach PZN, Artikelbezeichnung, Menge, Einheit und Apothekeneinkaufspreis (AEK). Der AEK ist der Nettopreis, auf den die Mehrwertsteuer noch addiert wird. Zum 1. Januar dieses Jahres wurden die Preise für Stoffe und zum 1. Februar für Gefäße angepasst, da die Preise nicht mehr marktgerecht gewesen waren.

Abb.: Auszug aus Anlage 1 der Hilfstaxe, Stand 01.01.2019

Abb.: Auszug aus Anlage 2 der Hilfstaxe, Stand 01.02.2019

Anlage 3

Anlage 3 führt die Preise, die bei der Herstellung parenteraler Lösungen gelten, auf. In Teil 1 sind allgemeine Bestimmungen zur Preisbildung bei Parenteralia und zum Umgang mit Verwürfen zu finden. In Teil 2 wird die Preisbildung für zytostatikahaltige parenterale Lösungen sowie parenterale Lösungen mit monoklonalen Antikörpern dargestellt, in Teil 3 geht es um die Preisbildung für antibiotika- und virustatikahaltige Infusionslösungen, in Teil 4 für schmerzmittelhaltige parenterale Lösungen und in Teil 5 für parenterale Ernährungslösungen. Teil 6 dieser Anlage beschreibt die Preisbildung für parenterale Calciumfolinatlösungen. Teil 7 behandelt sonstige parenterale Lösungen, Teil 7a den Sonderfall Preisbildung bei Cardioxane®-Lösungen.

Anlagen 4 bis 7

Wenn Apotheken Substitutionsrezepte beliefern, gelten die Anlagen 4 bis 7. Für Methadon- und Levomethadon-Lösungen sind hier die Preise zu finden, die jeweils für alle Lösungen gelten, also sowohl für die Sichtbezugsvergabe als auch für die Abgabe als Take-home-Versorgung. Angegeben sind Netto-Abgabepreise pro Einzeldosis. Auch hier wird die Mehrwertsteuer addiert, hinzu kommen kindergesicherte Verschlüsse bei der Take-home-Versorgung sowie die BtM-Gebühr. Für die Preisbildung von Buprenorphin- sowie Buprenorphin/Naloxon-Einzeldosen gelten die Abrechnungstableaus nur bei Verordnungen über Take-home-Bedarf. Auch hier sind Nettoabgabepreise pro Einzeldosis angegeben, zusätzlich können direkt die Preise für bis zu sieben Einzeldosen abgelesen werden. Ebenso wie bei den Substitutionslösungen werden Mehrwertsteuer und BtM-Gebühr hinzuaddiert. Das Subutex-Tableau kommt zum Einsatz, wenn der Arzt dieses Arzneimittel mit Aut-idem-Kreuz verordnet hat. Jede Anlage nennt zusätzlich die Sonder-PZN, die bei Abrechnung über das vorliegende Tableau zum Einsatz kommt.

Achtung

Wenn es für ein Substitutionsrezept keine Berechnungsgrundlage in der Hilfstaxe gibt (Beispiel: kein Preis für die verordnete Einzeldosis), so muss der Abrechnungspreis zuvor mit der Krankenkasse geklärt werden.

Anlagen 8 und 9

Schließlich folgen zwei weitere Anlagen. Anlage 8 liefert die Grundlage für die Abrechnung von Teilmengen aus N1-Fertigarzneimittelpackungen: Demnach darf die Apotheke den Verkaufspreis der kleinsten N1-Fertigarzneimittelpackung abrechnen, wenn sie daraus eine geringere Teilmenge abgeben muss. Anlage 9 regelt die Preisbildung für die Abgabe von Oseltamivir-Zubereitungen im Pandemiefall.

Zusammenfassung

Für die Preisbildung von Arzneimitteln ist die AMPreisV maßgeblich. Basierend darauf wird die Hilfstaxe in der Regel dann herangezogen, wenn in der Apotheke unverarbeitete Stoffe beziehungsweise Rezepturen abgegeben werden. Unverzichtbar ist die Hilfstaxe auch für die Preisbildung von Parenteralia sowie Substitutionsmitteln. Meist sind die Preise der Hilfstaxe in den Rezepturprogrammen der Apotheken hinterlegt, sodass eine EDV-gestützte Preisberechnung möglich ist. Trotzdem ist es für alle Apothekenmitarbeiter wichtig, die Grundlagen der Preisbildung zu kennen und zu wissen, wo man diese unabhängig von der EDV nachschlagen kann.