Rezepturwissen


Kapselherstellung

Einzelherstellungen von Cremes, Salben und Lösungen nehmen einen großen Stellenwert in der Apotheke ein. Die Anfertigung von Kapseln wiederum ist für die meisten Apotheken eher eine Seltenheit. Im Arbeitsalltag kann es vorkommen, dass die genauen Handgriffe und Arbeitsschritte nicht mehr präsent sind. Falls dann eine entsprechende Verordnung vorliegen sollte, finden Sie hier eine kleine Auffrischung des Themas.

Worauf es ankommt

Wenn es um die Herstellung von Kapseln geht, ist besondere Genauigkeit gefragt – nicht nur, weil die meisten Kapseln in Apotheken für Kinder und Säuglinge hergestellt werden. Bei der Kapselherstellung spielen viele Parameter eine wichtige Rolle. Angefangen beim Ausgangsstoff, der die richtige Beschaffenheit haben muss, über die Methode der Herstellung bis hin zum Abfüllverfahren gilt es viele Arbeitsschritte zu beachten.

Der Wirkstoff

Für die Kapselherstellung sollten stets mikronisierte Ausgangssubstanzen für die Wirkstoffe verwendet werden. Die Korngröße liegt dabei meist unter 25 µm. Ziel ist immer, eine möglichst homogene Mischung von Füllstoff und Wirkstoff zu erreichen. Daher sollten beide Komponenten eine möglichst ähnliche Korngröße innehaben. Entmischungstendenzen sollen auf diesem Wege vermieden werden. Falls mikronisierte Ausgangsware nicht erhältlich ist, empfiehlt es sich, die Wirkstoff-Substanz in einer ausreichend großen Reibschale zu verreiben. Dabei sollte der Pulveranteil etwa 5 % des Füllvolumens der Schale entsprechen. Da es unvermeidbar ist, dabei Substanz zu verlieren, sollte generell im Überschuss verrieben werden.

Einwaagekorrekturfaktor

  • Rezeptur-Ausgangssubstanzen können einen chargenbedingten Mindergehalt aufweisen. Dieser ist bedingt durch Gehaltsschwankungen oder einen hohen Wassergehalt.
  • Ab einem Mindergehalt von > 2 % bei Konservierungsmitteln und Wirkstoffen wird deshalb eine Einwaagekorrektur empfohlen.
  • Direkt bei der Eingangskontrolle des jeweiligen Stoffes kann der Korrekturfaktor mithilfe einer Wirkstoffdatenbank aus dem DAC/NRF ausgerechnet werden (auf drei Nachkommastellen runden). Die benötigten Formeln dafür sind in der Datenbank hinterlegt.
  • Den Korrekturfaktor auf das Standgefäß auftragen.
  • Die entsprechende Soll-Einwaage erhält man durch Multiplikation der verordneten Substanzmenge mit dem Korrekturfaktor.

Ist der für die Herstellung der Kapseln benötigte Wirkstoff nicht verfügbar, muss auf ein Fertigarzneimittel zurückgegriffen werden. In diesem Fall ist die Wahl der richtigen Darreichungsform des Fertigarzneimittels essentiell: Retardierte Tabletten, Dragees oder Weichkapseln sind zum Beispiel ungeeignet. Ob das Fertigarzneimittel für die Verarbeitung geeignet ist, sollte vom Hersteller auf Anfrage beantwortet werden. In besonderen Fällen wie bei der Verarbeitung von pelletgefüllten Hartkapseln sind entsprechende Daten unverzichtbar.

Wirkstoffzuschlag

Durch Umfüllvorgänge, elektrostatische Anhaftungen an Geräten oder Staubbildung kann es zu Wirkstoffverlusten kommen. Um Dosierungsschwankungen innerhalb des Arzneimittels auszugleichen, lautet daher die Empfehlung des DAC, mit Mehreinwaagen zu arbeiten.

Wirkstoffzuschlag (gemäß DAC/NRF-Empfehlung):

  • Niedrig dosierte Kapseln mit < 20 mg Wirkstoff/Kapsel oder < 10 % Wirkstoffanteil:
    10 % Wirkstoffzuschlag
  • Allgemeine Empfehlung, unabhängig von Herstellungsverfahren und Füllmittel:
    5 % Wirkstoffzuschlag

Die Kapselhülle

Bei den Kapselhüllen stehen verschiedene Optionen zur Auswahl. Hartgelatinekapseln sind die gängigste Wahl der Apotheken. Alternativen sind z. B. Hypromellose und Pullulan. Diese sind für Vegetarier und Veganer sowie für Menschen, die aus Glaubensgründen keine Schweinegelatine zu sich nehmen wollen, geeignet. Bei Hypromellose handelt es sich um ein Cellulosederivat, bei Pullulan um ein Polysaccharid – beide sind also nicht tierischen Ursprungs. Bei der Herstellung ist es wichtig zu berücksichtigen, dass die Beschaffenheit der Kapselhülle nicht mit jedem Füllgut kompatibel ist. Bei Gelatinekapseln sollten keine hygroskopischen Stoffe, zum Beispiel Ascorbinsäure, verarbeitet werden. Dies kann den Wassergehalt der Kapselhülle beeinflussen, sie kann spröde werden oder sich gar auflösen. Hypromellose gilt als weniger empfindlich gegenüber geringer Feuchte als Gelatine. Bei der Verarbeitung von schwefelhaltigen Wirkstoffen in Gelatinekapseln sollten Patienten darauf hingewiesen werden, dass ein Geruch nach Essigsäure entstehen kann. Gemäß der Monographie der Kapselhüllen ist dieser Geruch aber in schwachem Ausmaß zulässig.

Die Kapselhülle ist ein Bestandteil des Arzneimittels und gilt daher als Ausgangsstoff. Aus diesem Grund empfiehlt sich nur die Verwendung von Kapselhüllen mit chargenbezogenem Prüfzertifikat. Die Identität wird in der Apotheke geprüft. Grundlage ist die DAC-Monographie K-145 (Kapselhüllen).

Füllstoffe

Das Volumen der Kapselhülle ist meist größer als das der Kapseln, weshalb der Einsatz von Füllmittel notwendig wird.

Information

Unter Füllstoff versteht man die reine Substanz, Füllmittel wiederum bezeichnet die Mischung aus Füllstoff und Fließregulierungsmittel.

Mögliche Füllstoffe sind:  

  • Mannitol
  • Lactose-Monohydrat
  • Mikrokristalline Cellulose
  • Saccharose

Als Fließregulierungsmittel wird meist Aerosil® (hochdisperses Siliciumdioxid) verwendet, das den Füllstoffen beigefügt wird und so deren Fließfähigkeit steigert. Es ist möglich, Aerosil® zu allen Füllstoffen in einer Konzentration von 0,5 % zuzugeben.

Als Standardfüllstoff gilt Mannitol, wobei Mannitol 35 zu bevorzugen ist. Mannitol 35 ist ein vorvermahlener Mannitol-Typ und zeichnet sich durch eine mittlere Teilchengröße und gleichzeitig polydispersen Charakter aus. Nach NRF-Vorschrift S. 38 kann das standardisierte Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel hergestellt werden, das zu 99,5 Teilen aus Mannitol 35 und zu 0,5 Teilen aus Aerosil® besteht und eine Nennschüttdichte von etwa 0,5 g/ml aufweist. Damit kann eine ausreichend gute Verteilung des Wirkstoffs erzielt werden.

Welche Methode für welche Herstellung?

Ein wichtiger Faktor für die fachgerechte Herstellung ist die richtige Methode, mit der die Kapselfüllstoffe bemessen und vermischt werden. Zur Auswahl stehen die massebasierte Herstellung, auch gravimetrische Methode, die Kalibriermethode und die Volumenergänzungsmethode. Das Europäische Arzneibuch gibt keine Vorgabe, nach welcher Herstellungsmethode vorzugehen ist.

Übersicht der Kapselherstellmethoden:

PrinzipMethodeAnwendung
MassebasiertGravimetrische Methode• Niedrig dosierte Kapseln
• Standardisiertes Füll­mittel mit definierter Schütt­dichte
Volumen­basiertKalibrier­methode:
Mess­zylinder­methode A
Kapseln mit hohem Wirk­stoff­anteil ➔ Volumen des Wirk­stoffs nimmt mehr als die Hälfte des Kalibrier­volumens* ein
Volumen­basiertKalibrier­methode:
Mess­zylinder­methode B
Kapseln mit niedrigem Wirk­stoff­anteil ➔ Volumen des Wirk­stoffs nimmt weniger als die Hälfte des Kalibrier­volumens* ein
Volumen­basiertVolumen­ergänzungs­methodeUnabhängig von der Dosierung des Wirk­stoffs
Volumen- oder masse­basiertLösemethodeNur für standardisierte Rezepturen

*Berechnung des Kalibriervolumens nach der DAC-Monographie K-145 „Kapselhüllen“. Diese führt die Nennvolumina der Kapselunterteile der unterschiedlichen Kapselgrößen auf.

Abgabe der Kapseln

Die fertigen Kapseln können in einem Gefäß aus Braunglas oder Kunststoff mit kindersicherem Verschluss abgegeben werden.