2.2.1 Analgetika/Antipyretika

Die nicht verschreibungspflichtigen analgetisch und antipyretisch wirksamen Stoffe Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) und Diclofenac können die Symptome Erkältungsschmerzen und Fieber im Rahmen eines grippalen Infekts lindern. Die nicht steroidalen Antiphlogisitika (NSAR) Ibuprofen, ASS und Diclofenac weisen neben der analgetischen und antipyretischen Wirkung zusätzlich eine antiphlogistische Wirkung auf. Paracetamol wirkt vorwiegend analgetisch und antipyretisch. Unter Therapie mit Ibuprofen konnte im Rahmen einer Studie zusätzlich das Symptom „Niesen“ stärker gelindert werden als unter Placebo. Bei Kindern werden Ibuprofen oder Paracetamol in kindgerechten Darreichungsformen eingesetzt. Kinder unter 12 Jahren sollten grundsätzlich nicht mit Analgetika/Antipyretika behandelt werden, es sei denn zur Fiebersenkung. Diclofenac sollte erst ab 14 Jahren, ASS ab 16 Jahren in Betracht gezogen werden. Die Einnahme von Schmerzmitteln kann dazu verleiten, die Erkältungssymptome zu übergehen, statt sich zu schonen.

Da die Substanzen keineswegs unproblematisch sind, ist unbedingt auf die wirkstoffspezifischen Kontraindikationen und Wechselwirkungen zu achten. So dürfen Kinder unter 12 Jahren beispielsweise kein ASS einnehmen, da hier die Gefahr besteht, dass das Reye-Syndrom auftritt. NSAR sind bei Patienten mit Asthma, Ulkus und Leber- oder Niereninsuffizienz kontraindiziert. Diclofenac hat weitere Kontraindikationen bei verschiedenen kardiovaskulären Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz). Bei Paracetamol ist strikt auf die korrekte Dosierung hinzuweisen, da eine Überdosierung zu schweren Leberschäden führen kann. [7] [11][20]

Merke: Einnahme von Analgetika nicht länger als an drei aufeinanderfolgenden Tagen und nicht mehr als zehn Tage im Monat!

Symptom Schmerzen

Wenn Patienten im Rahmen des grippalen Infekts unter „Erkältungsschmerzen“ leiden, also z. B. Kopf-, Halsschmerzen, können analgetische Wirkstoffe eingesetzt werden. Diese lindern die Beschwerden je nach Wirkstoff für mehrere Stunden.

Zusatzinfo

Lutschtabletten, Gurgellösungen und Rachensprays, die Lokalanästhetika, Antiseptika und/oder Antibiotika enthalten, werden laut DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen grundsätzlich nicht empfohlen. Die Begründung hierfür lautet, dass die Antiseptika nur an der Oberfläche wirken, die wesentliche Infektion sich aber in den tieferen Schichten des Gewebes abspielt. Zudem besteht sowohl bei lokalanästhetischen wie z. B. Benzocain, Lidocain als auch bei antiseptischen Wirkstoffen (z. B. Benzalkoniumchlorid, Cetylpyridiniumchlorid, Chlorhexidin, Cresol) das Risiko für allergische, teils lebensbedrohliche Reaktionen. Überwiegend liegen keine aussagekräftigen randomisierten klinischen Studien zur Wirksamkeit dieser lokal wirksamen Halsschmerzmittel vor. Einzig lokal angewendetes Ambroxol zeigte in zwei kontrollierten Studien eine Überlegenheit gegenüber Placebo in Hinblick auf einen Summenscore verschiedener Symptome.

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Symptom Fieber

Fieber ist eine physiologische Körperfunktion und stimuliert körpereigene Abwehrmechanismen, wie z. B. die Bildung von Interferonen oder bestimmte Funktionen der Leukozyten. Daher muss im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden, ob die Fiebersenkung durch Antipyretika sinnvoll ist oder nicht. In der Regel sollte Fieber nur behandelt werden, wenn die Körpertemperatur 39–39,5 °C (39 °C bei Kindern unter 12 Monaten) übersteigt, der Allgemeinzustand schlecht ist, ein hohes Risiko für das Auftreten von Fieberkrämpfen besteht oder die Person stark dehydratisiert ist. Kleinkinder sind anfälliger für Fieberkrämpfe, die Inzidenz liegt bei Kindern bis sechs Jahren bei 3–5 Prozent. [20]

Ab welcher Temperatur ist es Fieber?

Fieber ist im Allgemeinen definiert als eine Körpertemperatur über 38,5 °C bei rektaler Messung. Die Literaturangaben zu einer weiteren Klassifikation sind unterschiedlich, eine mögliche Einteilung ist die folgende:

  • 36,5–37,5 °C = Normaltemperatur
  • 37,5–38,5 °C = erhöhte Temperatur
  • ab 38,5 °C = Fieber
  • > 39,5 °C = hohes Fieber [21]