2.1 Indikationen einer Antibiotikatherapie bei Atemwegsinfektionen

Aufgrund der viralen Genese sind Antibiotika bei Atemwegsinfektionen eher selten indiziert, laut Therapieempfehlungen der AkdÄ in den folgenden Fällen:

Tonsillopharyngitis

Antibiotikatherapie nur bei

  • gesicherter A-Streptokokken-Angina
  • Verdacht auf A-Streptokokken-Angina und
    • schwerer Erkrankung, Verdacht auf Peritonsillarabszess oder
    • Scharlach oder
    • rezidivierender A-Streptokokken-Angina

► Mittel der 1. Wahl: Penicillin V (7–10 Tage)

Akute Otitis media

Antibiotikatherapie nur bei

  • Säuglingen und/oder initial stark ausgeprägten Krankheitszeichen bzw. beidseitiger oder perforierter Otitis
  • unzureichender Beschwerdebesserung oder Progression
  • Vorliegen einer Grunderkrankung

► Mittel der 1. Wahl: Amoxicillin (5–7 Tage)

Akute Rhinosinusitis

Antibiotikatherapie nur bei

  • hoher Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Verursachung*
  • schwerer Beeinträchtigung oder drohenden Komplikationen*
  • Verschlechterung der Beschwerden (Tag 5–10) oder Beschwerdepersistenz > 10 Tage

► Mittel der 1. Wahl: Amoxicillin (5–7 Tage)

Akute Bronchitis

Keine Indikation für die regelhafte Gabe von Antibiotika.

Keuchhusten

Antibiotikatherapie indiziert, wobei durch diese nur die Erreger eliminiert werden und sich meist kein Einfluss auf den klinischen Verlauf zeigt.

► Mittel der 1. Wahl: Azithromycin (3 Tage) oder Clarithromycin (7 Tage)

Ambulant erworbene Pneumonie

Antibiotikatherapie indiziert, nur leichtgradige Pneumonie kann ambulant behandelt werden.

► Mittel der 1. Wahl: Amoxicillin (5–7 Tage)

Antibiotika sind somit nur in bestimmten Fällen indiziert, wie zum Beispiel bei einer Lungenentzündung, Keuchhusten, gesicherten Infektionen durch Bakterien, schwerer Symptomatik oder speziellen Patientengruppen. [19]

Ärzte sollten das Nutzen-Risiko-Verhältnis zum Einsatz von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen sorgfältig abwägen, wobei neben der Resistenzproblematik auch die Nebenwirkungen der Antibiotika gegenüber dem Nutzen zu berücksichtigen sind. Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Antibiotika gehören beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit, allergische Reaktionen der Haut wie Rötungen und Juckreiz und Scheidenpilzinfektionen bei Mädchen und Frauen.

* Eiterstraßen an der Rachenhinterwand und starke Schmerzen (Score > 3/5) und/oder erhöhtes CRP (> 20) und Fieber