1.8.4 Husten / akute Bronchitis

Husten ist definiert als plötzlicher Atemstoß nach kurzem Stimmritzenschluss (Flussgeschwindigkeit der ausgeatmeten Luft > 600 km/h!). Er wird ausgelöst durch Reizung der respiratorischen Schleimhaut, z. B. bei Entzündungen, chemischen oder physikalischen Reizen. Zudem können mechanische Veränderungen (Atelektase, verminderte Lungencompliance) Husten hervorrufen.

Ausgelöst wird Husten über einen komplexen Reflexbogen, der aus fünf „Stationen“ besteht:

  • Hustenrezeptoren (lokalisiert in Larynx, Trachea und Bronchien, Gehörgang, Pleura und Perikard, Ösophagus und Magen, Zwerchfell)
  • Afferenter Schenkel (Nervus vagus)
  • Hustenzentrum im Gehirn (lokalisiert in der Medulla oblongata des Gehirns)
  • Efferenter Schenkel (Spinalnerven, Nervus phrenicus, Nervus vagus)
  • Effektororgane (Kehlkopf-, Brust- und Bauchmuskulatur)

Es gibt chemisch und mechanisch erregbare Hustenrezeptoren: chemisch z. B. durch Rauch, giftige Gase, pH-Wert und mechanisch durch Berührung oder Druck.

Husten ist zum einen natürlicher Schutzreflex, zum anderen aber auch ein Symptom verschiedener Erkrankungen. Im Falle einer entzündeten Schleimhaut, wie bei akuten Atemwegsinfektionen, ist die primäre mukoziliäre Clearance geschädigt, sodass der vermehrt gebildete und zähe Schleim durch Husten (= sekundärer Reinigungsmechanismus) abtransportiert werden muss.

Laut der deutschen DEGAM-Leitlinie wird ein Husten erst ab einer Dauer von acht Wochen als chronisch bewertet. Im Rahmen eines banalen Atemwegsinfekts dauert Husten maximal drei bis vier Wochen. Die Ursachen für Husten können sehr unterschiedlich sein, die häufigste Ursache für akuten Husten ist die Virusinfektion der Atemwege. [14]

HustenartMögliche Ursachen
HäufigSelten

akuter Husten (< 8 Wochen)

banale Virusinfektionen, akute Sinusitis, Rhino-Laryngo-Tracheobronchitis, Asthma, postinfektiöser Husten, Pneumonie

Pleuritis, Lungenembolie, Pneumothorax, akute Linksherzinsuffizienz, Einatmen von Fremdkörpern (Kinder 1 bis 3 Jahre), Rauchgasvergiftung, Inhalation giftiger Gase, Aspiration

chronischer Husten (> 8 Wochen)

Asthma, COPD, Raucherhusten, Upper airway cough syndrome/Postnatal drip syndrome, unerwünschte Arzneimittelwirkung (z. B. ACE-Hemmer), gastroösophagale Refluxkrankheit

Bronchialtumoren, Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Pertussis, Bronchiektasen, rezidivierende Aspiration, chronisch persistierender Husten (CPH), z. B. bei erhöhter Sensibilität der Hustenrezeptoren

Tab. 2: Mögliche Ursachen für Husten [14]

Akute Bronchitis

Eine akute Bronchitis tritt selten ohne einen einhergehenden Erkältungsinfekt auf. Dementsprechend ist der Übergang von einem banalen Atemwegsinfekt in eine akute Bronchitis fließend. Typische Symptome sind zunächst trockener, dann produktiver Husten, häufig Fieber, Halsschmerzen und Schnupfen. Des Weiteren können auch Zeichen einer bronchialen Obstruktion vorliegen.

CAVE: Die Begleitsymptome Tachypnoe, Tachykardie, hohes Fieber und Nachtschweiß sowie feinblasige Rasselgeräusche (Auskultation) weisen auf eine Pneumonie (Lungenentzündung) hin!

Weitere Differentialdiagnosen bei Husten

Keuchhusten (Pertussis) ist anfangs nur schwer von einer banalen Erkältungskrankheit zu unterscheiden. Typisch ist ein anfallsartiger bellender Husten, ggf. verbunden mit inspiratorischem Stridor und Erbrechen, der über 2–4 Wochen anhält.

Weitere Differentialdiagnosen bei akutem Husten können Allergien, die akute Exazerbation einer COPD, Sinusitis und Influenza sein. [15]