1.8.3 Akute Halsschmerzen

Akute Halsschmerzen sind definiert als Beschwerden im Rachenraum, die seit maximal 14 Tagen bestehen. Pharyngitis, Rhinopharyngitis und akute Tonsillitis bzw. Tonsillopharyngitis sind klinisch nicht sicher voneinander abzugrenzen und werden meist unter dem Begriff Pharyngitis zusammengefasst. Die überwiegende Zahl der akuten Halsinfektionen wird durch Viren, vor allem Rhinovirus, Coronavirus, Adenovirus, verursacht (ca. 50–80 %). In 15–30 Prozent der Fälle sind beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (GAS) für die Pharyngitis verantwortlich (GAS-Pharyngitis), in 5–10 Prozent beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppen C oder G.

Folgende Erkrankungen sind mögliche Differentialdiagnosen bei Halsschmerzen:

GAS-Pharyngitis: Pharyngitis mit kulturellem Nachweis von Streptococcus pyogenes (GAS) im Rachenabstrich; Symptome: plötzlich einsetzende Hals-, Kopfschmerzen, Fieber, geröteter Rachen, geschwollene und mit grau-weißlichem Exsudat belegte Tonsillen, Kieferwinkellymphknoten geschwollen und druckschmerzhaft; Erkrankungsgipfel: 5–15 Jahre.

Scharlach: Infektion durch GAS-Stamm, der pyrogene Exotoxine bildet; Symptome ähnlich GAS-Pharyngitis, zusätzlich tritt ein Exanthem auf (großflächig-erythematöser Ausschlag, oft ausgehend vom Oberkörper, der sich über Rumpf, Hals und Extremitäten ausbreitet, Mund-Nasen-Dreieck und Hand- und Fußsohlen meist ausgespart), die Haut hat einen sandpapierartigen Charakter (durch Okklusion der Schweißdrüsen); Zunge ist zunächst mit einer hellen Schicht bedeckt, durch die rote Papillen durchscheinen, dann tiefrot (Erdbeerzunge).

Epiglottitis: Cellulitis der Epiglottis und angrenzender Strukturen, Gefahr der plötzlichen, kompletten Atemwegsverlegung; Symptome: Fieber, Reizbarkeit, Stimm- und Schluckstörungen, Speichelfluss, Atemnot, Stridor und Dyspnoe.

Kawasaki-Syndrom: Akute, fieberhafte, selbstlimitierende Vaskulitis unklarer Ätiologie; betrifft Kinder; Symptome: hyperämischer Rachen, antibiotikatherapie-resistentes Fieber, gerötete, einreißende Lippen, Himbeerzunge, zervikale Lymphadenopathie, beidseitige konjunktivale Injektion, Exanthem, Ödeme und Erytheme der Hände und Füße; häufigste Ursache von erworbenen Herzerkrankungen bei Kindern (in den Industrieländern).

Mononukleose: Durch das Epstein-Barr-Virus verursacht; Symptomtrias aus Halsschmerzen, Fieber und Lymphadenopathie, Lymphknoten am Hals geschwollen, meist auf beiden Seiten und auch im Nacken; bedingt ca. 1–6 Prozent der Pharyngitiden bei jungen Erwachsenen; bei Kindern und älteren Erwachsenen häufig symptomlos.

Exkurs: Pseudokrupp

Die Unterscheidung von „echtem Krupp“ (Kehlkopfdiphterie) und falschem Pseudokrupp (virale Laryngitis) wird heute von vielen Ärzten nicht mehr als zeitgemäß angesehen. Vielmehr haben sich Bezeichnungen wie Krupp-Syndrom, akute stenosierende Laryngitis oder einfach Krupp durchgesetzt. Es handelt sich um eine akute Schleimhautschwellung mit vorwiegend subglottischer Lokalisiation, die aber auch Stimmbänder und obere Luftröhre betreffen kann. Der Erkrankungsgipfel liegt bei einem Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Die typische Symptomtrias besteht aus Luftnot, bellendem Husten und Stridor. Lebensbedrohlich wird die Erkrankung, wenn inspiratorische Dyspnoe, Tachykardie, Agitation, Erstickungsangst, dann Apathie, Zyanose und Blässe auftreten. Dies ist jedoch selten. Die Behandlung erfolgt mit systemischen Glucocoticoiden (Prednisolon 1–2 mg/kg oder Dexamethason 0,15 mg/kg).

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