1.8.2 Akute Rhinosinusitis

Der Begriff Rhinosinusitis fasst die Begriffe Rhinitis und Sinusitis zusammen. Rhinitis bezeichnet entzündliche Veränderungen der Nasenschleimhaut und Sinusitis die Entzündung der Nasennebenhöhlenschleimhaut. Beide Erkrankungen gehen bei akuten Infektionen häufig fließend ineinander über.

Eine akute Rhinosinusitis (ARS) ist definiert durch einen zeitlichen Verlauf ≤ 12 Wochen. Von einer rezidivierenden akuten Rhinosinusitis spricht man, wenn die Beschwerden mind. viermal innerhalb von 12 Monaten auftreten und zwischenzeitlich vollständig abklingen. Die Rhinosinusitis wird als chronisch bezeichnet, wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen andauern.

Typische Symptome der Rhinosinusitis sind

  • Behinderung der Nasenatmung,
  • anteriore und/oder posteriore Sekretion,
  • Gesichtsschmerz,
  • Riechstörung und
  • fakultativ: Fieber und Kopfschmerzen.

Die Erkrankung beginnt meist mit der Infektion und Entzündung der Nasenschleimhaut, infolge derer es zu einem gestörten Abfluss und zu einer gestörten Ventilation der Nasennebenhöhlen kommt: Die Infektion breitet sich auf die Nasennebenhöhlenschleimhaut aus, begünstigt durch die engen topografischen Beziehungen.

Einer ARS liegt in der Regel eine virale Infektion zugrunde, die in ca. 0,5–2 Prozent der Fälle zur Entwicklung einer bakteriellen Rhinosinusitis mit starker entzündlicher Infiltration der Mukosa führt. Sind Bakterien beteiligt, handelt es sich bei hausärztlichem Klientel in 36–40 Prozent der Fälle um Pneumokokken, in 22–50 Prozent um Haemophilus influenzae, in 3–5 Prozent um Staphylococcus aureus, bei 3 Prozent um Streptococcus pyogenes und bei 2 Prozent um Moraxella catarrhalis.

Eine Sonderform der ARS ist die odontogene ARS, eine fortgeleitete Entzündung der Kieferhöhle. Ursachen hierfür können zum Beispiel nicht erkannte Mund-Antrum-Verbindungen, Wurzelreste, Parodontitis oder Zysten sein.

Die akute Rhinosinusitis zeigt eine hohe Spontanheilungsrate: Auch ohne Therapie erfolgt eine vollständige Heilung der Erkrankung bei 60–80 Prozent der Patienten innerhalb von zwei Wochen, bei etwa 90 Prozent der Erkrankten innerhalb von sechs Wochen.

Komplikationen können sich aus den engen anatomischen Beziehungen zu wichtigen Strukturen wie Augenhöhle und Schädelbasis ergeben, wenn die eitrige Entzündung sich dahingehend ausbreitet. Vor allem Kinder sind gefährdet, da ihre Knochenstrukturen noch nicht so gefestigt sind wie bei Erwachsenen. Im hausärztlichen Bereich geht man von einer Komplikation pro 10.000 ARS-Patienten aus.

Warnzeichen für eine Komplikation sind

  • starke Schmerzen,
  • Gesichtsschwellungen,
  • anhaltendes Fieber,
  • Lethargie und / oder
  • neurologische Symptome. [11]