1.8.1 Grippaler Infekt / Erkältung

Ein grippaler Infekt beginnt meist im Nasopharynx, was sich in anfänglichen Symptomen wie Halskratzen bzw. Halsschmerzen und Schnupfen niederschlägt. Ausgehend vom Nasopharynx kann sich die Infektion ausbreiten, zum einen aufsteigend (aszendierend) in die Nasennebenhöhlen (Rhinosinusitis) und zum anderen absteigend (deszendierend), wodurch eine Mandelentzündung (Tonsillitis), Kehlkopfentzündung (Laryngitis) oder eine akute Bronchitis entstehen können. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis zwei Tage, die Dauer einer Erkältung nicht mehr als zehn Tage, wobei Husten noch länger anhalten kann (bis zu drei Wochen). [5][6] Den typischen Verlauf einer Erkältung zeigt Abb. 7.

Abgrenzung zur „echten Grippe“

Die Infektion mit Influenzaviren (A, B) verläuft mit unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomen, birgt jedoch die Gefahr von schweren toxischen Verläufen, vor allem bei Risikogruppen wie älteren Menschen und Schwangeren. In der Anfangsphase ähneln die Symptome zwar denen eines unkomplizierten Atemwegsinfekts, es folgt aber oft ein sehr plötzlicher Verlauf mit schweren Symptomen. Die echte Grippe ist an den folgenden Merkmalen zu erkennen:

  • Plötzlicher Verlauf mit hohem Fieber über 39 °C
  • Schüttelfrost
  • Muskelschmerzen
  • Schweißausbrüche
  • Starke Beschwerden (Kopf-, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Husten) [9]

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt deshalb für folgende Risikogruppen die Impfung gegen saisonale Influenzaviren. [10]

Als Standardimpfung:

  • Personen ≥ 60 Jahre

Als Indikationsimpfung:

  • Schwangere ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem 1. Trimenon
  • Personen ab 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung aufgrund eines Grundleidens wie zum Beispiel
    • chronischen Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma und COPD),
    • chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten,
    • Diabetes mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten,
    • chronischen neurologischen Krankheiten, z. B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben,
    • angeborener oder erworbener Immundefizienz mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion bzw. Immunsuppression,
    • HIV-Infektionen.
  • Bewohner/innen von Alters oder Pflegeheimen
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden könnten (Risikopersonen = Personen mit Grundkrankheiten, die eine deutlich reduzierte Wirksamkeit der Influenza-Impfung bedingen, z. B. bei dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder Immundefizienz bzw. -suppression)

Als Impfung aufgrund eines erhöhten beruflichen Risikos:

  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z. B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können
  • Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln