1.6 Erregerspektrum und Infektion

Die primären Erreger von akuten Atemwegsinfektionen sind Viren, am häufigsten Rhinoviren, die für über 50 Prozent der Erkältungskrankheiten verantwortlich sind. [5] Die folgenden Viren sind häufig mit Infektionen der Atemwege assoziiert:

  • Rhinoviren (> 100 Serotypen)
  • Coronaviren
  • RSV = Respiratory Syncytial Virus
  • Influenza- und Parainfluenzaviren
  • Adenoviren

Viren müssen zwingend in die Zelle eindringen, um sich zu vermehren. Um in die Zelle zu gelangen, binden virale Strukturen (aus Nukleokapsid bzw. viraler Membran) an bestimmte Rezeptoren auf der Zelloberfläche.

Beispiel Rhinovirus

Rhinoviren binden über den ICAM-1-Rezeptor an die zu infizierenden Zellen. Hierdurch gelangt das Virus in die Wirtszelle und kann sich dort vermehren. Einmal eingedrungen, induziert das Virus die Expression der ICAM-1-Rezeptoren und erhöht damit die Infektiosität.

Es handelt sich hierbei um spezifische zwischenmolekulare Interaktionen, was erklärt, warum verschiedene Virenarten nur bestimmte Organsysteme des Menschen befallen. Durch eine virale Infektion der respiratorischen Schleimhaut wird das Epithel geschädigt, die Anzahl der schleimproduzierenden Becherzellen erhöht und die Zahl an Kinozilien tragenden Zellen vermindert. Dies erhöht, neben anderen Faktoren, das Risiko für eine bakterielle Superinfektion.

Folgende Bakterien können beispielhaft an Atemwegsinfektionen beteiligt sein:

  • Pneumokokken
  • Haemophilus influenzae
  • Moraxella spp.
  • Hämolysierende Streptokokken
  • Staphylococcus aureus
  • Pseudomonas aeruginosa [5]–[7]

Auf Noxen, wie z. B. die Infektion durch Viren oder Bakterien, reagiert der Körper mit einer Entzündung, die dazu dient, die schädigenden Einflüsse zu bekämpfen oder zumindest zu begrenzen. Hierbei sind vaskuläre und zelluläre Reaktionen sowie unspezifische und spezifische Abwehrreaktionen eng miteinander verknüpft.

Die fünf lokalen Kardinalsymptome einer Entzündung sind:

  • Rötung (Rubor)
  • Schwellung (Tumor)
  • Überwärmung (Calor)
  • Schmerz (Dolor)
  • Gestörte Funktion (Functio laesa) [2]

All diese Symptome zeigen sich bei akuten Atemwegsinfektionen in unterschiedlicher Ausprägung, je nachdem, welche Bereiche der Atemwege betroffen sind.