1.4 Die respiratorische Schleimhaut

Die respiratorische Schleimhaut überzieht, in morphologischen Variationen, die gesamten Atemwege mit ihren Ausbuchtungen und Ausläufern (z. B. Nasennebenhöhlen, Mittelohrbereich) – mit Ausnahme des Rachens, des Kehldeckels und der Stimmbänder. Das mehrreihige hochprismatische Flimmerepithel ist mit Becherzellen und kleinen Schleimdrüsen ausgestattet. Diese Zellen produzieren ein wässriges, dünnflüssiges Sekret, das die Schleimhaut wie einen Schutzfilm überzieht, feucht hält und Fremdpartikel (z. B. Staub, Bakterien, Schadstoffe) aufnimmt. Für den Abtransport des Schleims sind die Kinozilien verantwortlich, die das Sekret durch ihre schlagenden Bewegungen wie auf einem Transportband rachenwärts transportieren. Es handelt sich um einen hochspezialisierten Selbstreinigungsmechanismus, der auch mukoziliäre Clearance (lat. mukus = Schleim, cilia = Flimmerhaar, engl. clearance = Beseitigung) genannt wird. Funktioniert die mukoziliäre Clearance nicht richtig (z. B. durch Entzündung, Rauchen), kommt der sekundäre Reinigungsmechanismus der Lunge zum Tragen: Husten. Die Luftwege befreien sich dann durch einen plötzlichen Atemstoß von Fremdkörpern oder Schleim. [2] [3]

Exkurs: Kinozilien

Kinozilien, auch Flimmerhaare genannt, sind wimpernartige Zellfortsätze, die rhythmische Bewegungen ausführen. Die Bewegung setzt sich aus einem schnellen Vorwärtsschlag und einer langsamen Rückholbewegung zusammen. Die Flimmerhaare bewegen sich metachron über die Zelloberfläche, das heißt koordiniert und in Wellen (wie ein wogendes Kornfeld). Die Schlagfrequenz beträgt bis zu 25 Schläge pro Sekunde. [2]

Die respiratorische Schleimhaut ist mit verschiedenen Abwehrmechanismen gegen Erreger wie Bakterien und Viren ausgestattet. Man unterscheidet zwei „Verteidigungszonen“:

Sekretdecke und Epithel

  • Mukoziliarapparat: Physikalische Reinigung („Transportband“)
  • Unspezifische Schutzfaktoren im Sekret: Lysozyme, Interferone, sekretorische Proteaseinhibitoren, Komplementsystem, sekretorische Glukosidasen, Defensine, Stickstoffmonoxid (NO)
  • Spezifische Schutzfaktoren: Immunglobulin A, M und G

Lamina propria

  • Unspezifische Schutzfaktoren und -strukturen: Grundsubstanz und Fibrillen, Mikro- und Makrophagen, Mastzellen, Gefäße, vegetatives Nervensystem, Gewebshormone, Interferone, Proteaseinhibitoren etc.
  • Spezifische Schutzfaktoren: Sensibilisierte T- und B-Lymphozyten, eosinophile Granulozyten, Immunglobulin G, M und E

Die respiratorische Schleimhaut ist also durch unterschiedlichste Mechanismen vor Infektionen geschützt. Die optimale Leistung hängt jedoch von vielen Faktoren ab wie pH-Wert, Temperatur, Zustand des Kolloids, Feuchtigkeit, Weite der Nase oder schädigenden Gasen. Zu einer Infektion kann es vor allem dann kommen, wenn das Immunsystem geschwächt (z. B. als Reaktion auf Stress) oder die Funktion der Schleimhaut, zum Beispiel durch trockene Heizungsluft, beeinträchtigt ist. [3]