Aus andauerndem Stress ohne Erholungsphasen kann sich eine chronische Angstsymptomatik entwickeln. Darüber hinaus sind nervöse Unruhezustände häufig die Folge von Stress.

Zur Behandlung von nervöser Unruhe und Angst werden heutzutage meist Benzodiazepine eingesetzt, die zu den rezeptpflichtigen Wirkstoffen gehören und daher ausschließlich vom Arzt verordnet werden dürfen.

Zu den wichtigsten Wirkstoffen mit beispielhaftem Handelsnamen zählen8:

Wirkstoff Handelspräparat
Diazepam z. B. Diazepam ratiopharm®
Chlordiazepoxid z. B. Librium®
Prazepam z. B. Demetrin®
Oxazepam z. B. Adumbran®
Lorazepam z. B. Tavor®
Alprazolam z. B. Tafil®
Bromazepam z. B. Lexostad®
Clonazepam z. B. Rivotril®

Wirkmechanismus von Benzodiazepinen8

Benzodiazepine greifen am GABA-System an, wobei sie die hemmende Funktion GABAerger Neurone verstärken. So steigern die Benzodiazepine die Bindungsfähigkeit von GABA zu ihren Rezeptoren und verstärken dadurch die GABA-Wirkung. Diese kommt dadurch zustande, dass die Öffnungswahrscheinlichkeit von Chloridkanälen erhöht wird, wodurch vermehrt Chloridionen in die Zelle einströmen. Dies bewirkt eine Hyperpolarisation (Steigerung der Membranspannung an einer Nervenzelle) der entsprechenden Zellen mit der Folge der verminderten Erregbarkeit.

Merke:

Benzodiazepine verstärken die Wirkung von ƴ-Amino-Buttersäure (GABA) mit folgender Wirkung auf den (menschlichen) Organismus.

Abb.: Wirkweise von Benzodiazepinen, Quelle: DAP

Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotential

Aufgrund der zentral dämpfenden Wirkung der Benzodiazepine kann es zu einigen Nebenwirkungen kommen: Müdigkeit, Störungen der Bewegungskoordination, Benommenheit, Schwindel und Einschränkungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Bei älteren Patienten kann es aufgrund der muskelrelaxierenden Wirkung zu schweren Stürzen kommen. Bei langandauernder Einnahme werden Appetitssteigerungen mit Gewichtszunahme, Libidoverlust sowie Ovulations- und Zyklusstörungen beobachtet.

Besonders problematisch ist jedoch die Gewohnheitsbildung (psychische Abhängigkeit). Sie äußert sich darin, dass es – insbesondere nach längerer Einnahme – beim (plötzlichen) Absetzen des Präparates zu vermehrter Angst oder Schlaflosigkeit kommt und die Patienten daher erneut zu dem Arzneimittel greifen. Man muss daher zur Vermeidung eines Rebound-Effektes (Wiederaufleben) die Therapie langsam absetzen.

Zusatzinfo9: Im Jahr 2010 wurden in Deutschland fast 10 Millionen Packungen Benzodiazepine verschrieben. 1,1 bis 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Benzodiazepinen, das sind 80 % aller Medikamentenabhängigen.