Da sich diese Fortbildung mit „Stress“ und „leichten bis mittelschweren depressive Verstimmungen“ beschäftigt, werden im Folgenden zunächst diese beiden Begriffe erläutert.

1.2.1 Stress

Stress (engl. für „Druck, Anspannung“; lat. stringere „anspannen“) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende geistige und körperliche Belastung.3 So ist z. B. die physiologische Stress-Antwort auf drohende Gefahren evolutionsbiologisch betrachtet ein Relikt aus alten Zeiten. Ihre typischen Anzeichen wie steigender Blutdruck, beschleunigter Herzschlag, verbesserte Durchblutung der Muskulatur und Bereitstellung von Energie sind körperliche Reaktionen auf Entscheidungssituationen: Kampf oder Flucht vor Angreifern oder wilden Tieren.

Der Begriff „Stress“ wurde erstmals 1936 von Hans Selye geprägt, der auch zwischen Eu-Stress und Dis-Stress unterschied.

Eu-Stress

Der sogenannte Eu-Stress (die griechische Vorsilbe εὖ (eu) bedeutet „wohl, gut, richtig, leicht“) beansprucht den Organismus zwar, wirkt sich aber insgesamt positiv aus. So erhöht Eu-Stress die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers, ohne ihm zu schaden. Eu-Stress tritt beispielsweise auf, wenn ein Mensch zu bestimmten Leistungen motiviert ist, dann Zeit und Möglichkeiten hat, sich darauf vorzubereiten oder auch wenn eine (ggf. auch längere oder schwere) Krisensituation oder Krankheit dennoch positiv angegangen, bewältigt und überwunden werden kann. Im Resultat können sogar Glücksmomente empfunden werden. Eu-Stress wirkt sich auch bei häufigem, längerfristigem Auftreten positiv auf die psychische oder physische Funktionsfähigkeit eines Organismus aus. Unter Eustress fällt zum Beispiel die Nervosität bei einer Hochzeit oder die Freude über die Geburt eines Kindes.

Dis-Stress

Der für den Organismus schädliche Dis-Stress (die griechische Vorsilbe δύς (dys) bedeutet „miss-, schlecht“) ist derjenige, der vom Körper nicht ausreichend kompensiert werden kann und deshalb als bedrohend oder überfordernd wahrgenommen wird. Insbesondere können negative Auswirkungen auftreten, wenn die betroffene Person (auch durch ihre Interpretation der Reize) keine Möglichkeit zur Bewältigung der Situation sieht oder hat. Beispiele dafür sind Klausuren ohne Zeit oder Fähigkeit zum Lernen, eine trotz Ärztebesuch unklare oder nicht anerkannte Erkrankung, eine durch Lärm unerträgliche Wohnung ohne Möglichkeit zum Umzug, o. ä. Dieser negative Stress kann auf Dauer krank machen.

1.2.2 Depressive Verstimmung und Depression

Depressive Verstimmung

Die depressive Verstimmung wird meist durch aktuelle Belastungen ausgelöst, beispielsweise durch Misserfolg, Stress, finanzielle Sorgen, einschränkende körperliche Beschwerden oder Konflikte mit anderen Menschen. Die Betroffenen fühlen sich erschöpfter, dünnhäutiger oder unruhiger als gewöhnlich. Einige benötigen in solchen Phasen mehr Zeit für sich selbst, andere suchen Ablenkung oder vertrauen ihre Probleme vertrauten Personen wie Freunden oder Angehörigen an. Eine depressive Verstimmung ist noch keine psychische Erkrankung. Sie spiegelt lediglich den momentanen Gemütszustand im Kontext der aktuellen Ereignisse wieder.4

Depression

Eine Depression kann entstehen, wenn verschiedenen Belastungsfaktoren gleichzeitig auftreten oder eine depressive Verstimmung länger als zwei Wochen andauert. Frauen sind von dieser Krankheit etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Abhängig von der Anzahl der Haupt- und Zusatzsymptome unterscheiden die Mediziner folgende Schweregrade: leichte depressive Episode, mittelschwere depressive Episode, schwere depressive Episode.4

Ursachen

Für depressive Verstimmungen oder gar Depressionen gibt es ganz unterschiedliche Ursachen. Dazu gehören etwa Krankheiten, die den Stoffwechsel beeinflussen (beispielsweise Diabetes) und Erkrankungen neurologischer Art. Großen Einfluss auf die Psyche haben außerdem schwere Infektions- und Herzkrankheiten. Besonders ältere Menschen sind oft von Krankheiten und schwerwiegenden Veränderungen in ihrem Leben betroffen und haben ein höheres Risiko, eine depressive Verstimmung zu entwickeln. Im Alter, aber auch bei jungen Menschen, können zudem Medikamente Auslöser eines Stimmungstiefs sein.

Zu einer depressiven Symptomatik können Faktoren aus unterschiedlichen Bereichen beitragen. Zu diesen zählen: Persönlichkeitsfaktoren, genetische Prädisposition (erblich bedingte Anlage bzw. Empfänglichkeit), psychosoziale Faktoren (Einflüsse aus dem sozialen Umfeld auf die Psyche) und körperliche Faktoren.

Abb.: Entstehungsmodell Depression, Quelle: DAP