Maßnahmen zur Verlängerung der symptomfreien Phase zwischen erneut auftretenden akuten Harnwegsinfekten sind z. B. Verhaltensänderungen, die Reduzierung von Risikofaktoren, nicht-antibiotische Maßnahmen und antibiotische Prophylaxe. Rezidivierende akute Infekte müssen ärztlich betreut werden, da z. B. auch anatomische oder andere Ursachen liegen können.

2.4.1 Verhaltensänderungen und Vermeiden von Risikofaktoren

Als Risikofaktoren für akute rezidivierende Harnwegsinfekte gelten unter anderem eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme und unzureichende Hygienemaßnahmen, z. B. verzögertes Urinieren nach dem Geschlechtsverkehr, Abwischen von hinten nach vorne nach dem Toilettengang, Scheidenspülungen und das Tragen luftundurchlässiger Unterwäsche. Jedoch konnte in Studien bisher kein Zusammenhang zwischen diesen Verhaltensweisen und dem Auftreten akuter rezidivierender Harnwegsinfekte gezeigt werden. Im Zusammenhang mit akuten rezidivierenden Infekten steht in erster Linie Geschlechtsverkehr, aber auch die Anwendung von Spermiziden, ein neuer Sexualpartner oder Harnwegsinfekte in der Kindheit bzw. in der mütterlichen Anamnese (s. Tab. 1). [4]

2.4.2 Nichtantibiotische Prophylaxe

  • Immunisierung: Inaktiviertes Escherichia-coli-Konzentrat wird zur Immunisierung bei rezidivierenden und chronischen Harnwegsinfekten eingesetzt und steht in Kapselform zur Verfügung. Das Präparat zeigte in randomisierten Studien ein gutes Sicherheitsprofil und wird in der europäischen Leitlinie zur Prophylaxe empfohlen. Für den intramuskulär zu applizierenden Impfstoff fehlen hingegen größere Phase-III-Studien. Kleinere Phase-II-Studien geben Hinweise auf die Wirksamkeit. [4]
  • Probiotika (Lactobacillus sp) ⇒ Herstellung und Erhaltung eines intakten Vaginalmilieus. Die Wirksamkeit von Milchsäurebakterien, im Besonderen L. rhamnosus GR-1, L. reuteri RC-14 und Lactobacillus crispatus, zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte (vaginal/oral) ist derzeit noch nicht belegt. Die Studienlage ist nicht ausreichend für eine abschließende Bewertung. [4]
  • Cranberry (Vaccinium macrocarpon) ⇒ Hemmung der Bakterien-Adhäsion an die Blasenschleimhaut. Eine aktuelle Metaanalyse von 24 Studien ergab, dass die Einnahme von Cranberrypräparaten das Auftreten symptomatischer Harnwegsinfekte nicht signifikant reduzieren konnte, auch nicht für spezielle Patientengruppen, z. B. Kinder oder Schwangere. Zuvor hatten verschiedene Studien auf eine Wirkung bei rezidivierenden Harnwegsinfekten gedeutet. [4] Bei akuten Infekten konnte bislang keine Wirkung gezeigt werden.
  • D-Mannose ⇒ Hemmung der Bakterien-Adhäsion an die Blasenschleimhaut. Eine Placebo-kontrollierte, nicht verblindete Studie deutet darauf hin, dass die Einnahme von einmal täglich zwei Gramm D-Mannose ebenso effektiv wie die einmal tägliche Einnahme von 50 mg Nitrofurantoin das Auftreten rezidivierender Harnwegsinfekte verhindert. Eine Leitlinien-Empfehlung ergibt sich aus diesen Erkenntnissen jedoch noch nicht. [4]
  • Ansäuern des Harns (pH < 6), z. B. durch L-Methionin, hochdosierte Ascorbinsäure, Preiselbeersaft ⇒ verminderte Wachstumsrate von pathogenen Erregern. Wirksamkeit nicht abschließend belegt.
  • Bei postmenopausalen Frauen: Lokale Anwendung östrogenhaltiger Zubereitungen (z. B. Salben, Zäpfchen). Es besteht allerdings ein Risiko für das Auftreten vaginaler Irritationen. [4]

2.4.3 Antibiotische Prophylaxe

Zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte kann die kontinuierliche bzw. postkoitale Gabe eines niedrig dosierten Antibiotikums unter Abwägung der Nebenwirkungen bzw. der Beeinflussung der Darmflora (Diarrhö-Risiko) für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten in Betracht gezogen werden. Eine weitere Möglichkeit ist, der Patientin eine Stand-By-Therapie zu verschreiben, sodass sie bei Beschwerden eigenständig eine Antibiotikatherapie einleiten kann. Bei Schwangeren wird vorzugsweise der Wirkstoff Cephalexin eingesetzt. [4]

Tab. 6: Antibiotika zur Rezidivprophylaxe [6]

2.4.4 Akute rezidivierende Harnwegsinfekte

Die antimikrobiell wirksame Kombination aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut kann ebenfalls zur Behandlung von akuten rezidivierenden Harnwegsinfekten eingesetzt werden. Wie bereits erläutert, sind auch bei langfristiger Einnahme dieser Pflanzenkombination keine Resistenzentwicklungen zu erwarten. Auch sind Einnahmehäufigkeit und -dauer nicht beschränkt. Mit einer randomisierten Doppelblindstudie (219 Patienten, 18–75 Jahre, überwiegend Frauen) konnte gezeigt werden, dass die Einnahme dieser Pflanzenkombination die Anzahl der erneut auftretenden akuten Infektionen gegenüber Placebo signifikant vermindert (0,43 vs. 0,77, p = 0,035, Per-Protocol-Analyse über gesamten Studienzeitraum). Im Rahmen der Studie wurde das pflanzliche Arzneimittel über einen Zeitraum von 90 Tagen und in einer Dosierung von zweimal täglich zwei Tabletten eingenommen. [12]