In der Selbstmedikation stehen zahlreiche Präparate zur Behandlung von Harnwegsinfekten zur Verfügung. Viele Präparate sind pflanzlicher Natur, z. B. Aquaretika zur Durchspülung der Harnwege. Doch auch Analgetika (z. B. Ibuprofen, Paracetamol) und Spasmolytika (z. B. Butylscopolamin) können zur Symptombesserung beitragen, wobei auch diese mit Nebenwirkungen behaftet sind. Im Folgenden wird im Besonderen auf die pflanzlichen, antibiotisch wirksamen Senföle eingegangen, die aufgrund ihrer ursächlichen Wirkung eine besonders sinnvolle Behandlungsoption bei unkomplizierten Harnwegsinfekten darstellen.

2.2.1 Ausgewählte Therapieoptionen bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen in der Selbstmedikation [7]

Aquaretika:
  • Aus- und Durchspülen der Blase, als Tee oder Tabletten
  • Beispiele: Goldrutenkraut (wirkt zusätzlich leicht spasmolytisch), Birkenblätter, Hauhechelwurzel, Schachtelhalmkraut, Orthosiphonblätter
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion
  • Hinweis: Begleitend sollte ausreichend Flüssigkeit (mind. zwei Liter pro Tag) aufgenommen werden
Desinfizienta:
  • leicht desinfizierender Effekt, unterstützende Keimreduktion
  • Ausscheidung über die Nieren und Anreicherung in der Blase
  • Beispiele: Bärentraubenblätter (Arbutin), Schachtelhalmkraut, Orthosiphonblätter
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit, eingeschränkte Herz- und Nierentätigkeit
  • Hinweis: Arbutinhaltige Arzneimittel sollten nicht länger als jeweils eine Woche und höchstens fünfmal im Jahr eingenommen werden (Leberschäden)
Analgetika:
  • schmerzlindernde und ggf. antientzündliche Wirkung
  • Beispiele: Ibuprofen, Paracetamol
  • Kontraindikationen: Je nach Wirkstoff beachten
Spasmolytika:
  • Tonussenkung der überaktiven Blasenmuskulatur
  • Beispiele: Butylscopolamin, Flavoxat
  • Kontraindikationen: mechanische Stenosen des Verdauungssystems, Refluxösophagitis, Verengung oder Verschluss der ableitenden Harnwege, Engwinkelglaukom, Blasenentleerungsstörungen, Tachyarrhythmien, Kinder < 12 Jahre