Bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfektionen wird aktuell die Kurzzeitbehandlung mit einem Antibiotikum empfohlen. Mittel der ersten Wahl sind derzeitig Fosfomycin, Nitrofurantoin und Pivmecinillam. [4] Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sieht aber in der alleinigen symptomatischen Therapie (abwartendes Verhalten mit gesteigerter Trinkmenge) eine vertretbare Alternative zur sofortigen antibiotischen Behandlung. [5]

Die Spontanheilungsrate der akuten unkomplizierten Zystitis liegt bei ca. 30–50 %, nur in ca. 2 % der Fälle ist zu befürchten, dass sich eine Pyelonephritis entwickelt. Ziel der Therapie ist deshalb in erster Linie, die (oft quälenden) klinischen Symptome unter Kontrolle zu bringen. Dies erreicht man mit einer sofortigen Antibiotikatherapie im Vergleich zu Placebo in einer signifikant kürzeren Zeit, vorausgesetzt der Erreger ist empfindlich. [3]

Tab. 3: Antibiotikatherapie bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfekten bei Frauen [4] [6]

Wegen zunehmender Resistenzen sind Gyrasehemmer (= Fluorchinolone) und Cephalosporine für obere und komplizierte Harnwegsinfektionen reserviert. Deshalb kommen in der Akuttherapie mittlerweile wieder ältere Antibiotika wie Nitrofurantoin zum Einsatz. Nitrofurantoin darf jedoch nur dann eingesetzt werden, wenn effektivere und risikoärmere Antibiotika ausscheiden. In Deutschland ist es zusätzlich ab einer GFR unter 60 ml/min kontraindiziert. Vor Beginn der Behandlung muss zudem die Leberfunktion überprüft werden, da es bei Leberfunktionsstörungen zu starken Nebenwirkungen kommen kann. Zudem besteht unter Nitrofurantoin das Risiko interstitieller Pneumonien oder Lungenfibrosen, vor allem bei längerfristiger Einnahme. Somit ist in der Erstlinientherapie Fosfomycin zu bevorzugen, dessen Einsatz jedoch durch gastrointestinale Nebenwirkungen limitiert sein kann. Es darf unterhalb einer GFR von 20 ml/min ebenfalls nicht mehr eingesetzt werden. Nitroxolin wird derzeit auf seine Eignung zur Erstlinientherapie geprüft. [6]

2.1.1 Resistenzsituation von E. coli gegenüber Antibiotika

Insgesamt ist die Resistenzsitation von E. coli in Europa alarmierend. Es wird ein Anstieg an Breitspektrum-β-Lactamase-bildenden Bakterien (ESBL) beobachtet, die gegenüber den meisten Antibiotika (außer Carbapenemen) resistent sind. Auch die steigenden Resistenzraten gegenüber Breitspektrum-Antibiotika (Fluorchinolone, Cephalosporine) sind kritisch zu betrachten. [4]

Einer deutschen Untersuchung zufolge lag bei Frauen mit unkomplizierten und komplizierten Harnwegsinfektionen die Resistenzrate von E. coli gegenüber Amoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, oralen Cephalosporinen der Gruppe 1 und Cotrimoxazol zwischen 25 und 40 %. Gegenüber Fluorchinolonen waren 9 % der Isolate resistent. Niedrigere Resistenzraten von E. coli zeigten sich gegenüber Nitrofurantoin (2 %) und oralen Cephalosporinen der Gruppe 3 (3 %). Im Rahmen der länderübergreifenden ARESC-Studie reagierte E. coli am empfindlichsten auf Fosfomycin, gefolgt von Mecillinam, Ciprofloxacin und Nitrofurantoin. [3]