1.6.1 Anamnese

Bei Vorliegen der typischen Symptome (Dysurie, Pollakisurie, imperativer Harndrang) ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Harnwegsinfektion vorliegt, so hoch, dass neben der Urinuntersuchung mittels Teststreifen meist keine weitere Diagnostik erfolgt. Bei komplizierten Verläufen wird eine umfassendere Diagnostik (z. B. Urinkultur, Ultraschalluntersuchung, Blasenspiegelung) durchgeführt, die an dieser Stelle nicht im Detail besprochen wird. [3]

1.6.2 Teststreifen

Mittels Teststreifen kann der Urin (in der Regel Mittelstrahlurin) auf bestimmte Parameter getestet werden, die typisch für Harnwegsinfekte sind. Die Teststreifen sind frei verkäuflich, sodass Patienten diese auch ohne Rezept in der Apotheke kaufen können. 

Abb. 5: Urinuntersuchung mittels Teststreifen

1.6.3 Nitrit

Nitrit wird als Abbauprodukt von Bakterien gebildet, die das Enzym Nitratreduktase besitzen. Erst ab einer bestimmten Bakterienkonzentration wird Nitrit im Urin nachweisbar (> 4 Stunden Verweildauer in der Blase). Bei Pollakisurie kann das Ergebnis durch die kürzere Verweildauer in der Blase verfälscht werden. Hinzu kommt, dass nicht alle Bakterien Nitrit bilden können, z. B. einige Pseudomonaden und grampositive Erreger (Enterokokken und Staphylokokken). Der Nitrittest ist zwar insgesamt spezifisch, jedoch wenig sensitiv. [3]

1.6.4 Leukozyten

Leukozyten im Urin weisen auf eine entzündliche Reaktion hin. Mit den Teststreifen wird die Leukozytenesterase als indirekter Indikator für das Vorhandensein von Leukozyten erfasst. Auch Infektionen im Genitalbereich können zu einem (falsch) positiven Testergebnis führen. Der Nachweis der Leukozyten ist deshalb weniger spezifisch als der Nitritnachweis. [3]

1.6.5 Blut/Protein

Der Nachweis von Blut im Urin ist hochsensitiv zur Entdeckung einer Harnwegsinfektion, aber wenig spezifisch. Der Nachweis von Proteinen hat keine Bedeutung für die Diagnose einer Harnwegsinfektion. [3]

1.6.6 Eintauchnährböden

Die Keimzahlbestimmung mittels Eintauchnährboden kann in der Apotheke durchgeführt werden. Dazu gibt der Patient eine Probe Mittelstrahlurin in einen sterilen Einmalbecher. Bis zu zwei Stunden nach dem Harnlassen wird der Nährboden in die Urinprobe getaucht und für 24 Stunden in der Apotheke bebrütet, z. B. im Apothekenlabor. An einer Vergleichsskala kann schließlich der Keimgehalt pro Milliliter abgelesen werden. Mit diesem Test kann eine Bakteriurie mit hohen Erregerzahlen (≥ 100.000 Keime) ausgeschlossen werden. Der Ausschluss einer Bakteriurie mit geringer Erregerzahl (< 100.000) ist hingegen nicht möglich. Eintauchnährböden sind in erster Linie geeignet, um negative Befunde oder ein signifikantes Wachstum von E. coli nachzuweisen. [3]