Die ableitenden Harnwege setzen sich aus den Harnleitern (= Ureteren), der Harnblase und der Harnröhre (= Urethra) zusammen.

1.3.1 Harnleiter (Ureteren)

Die zwei Harnleiter sind dünne, ca. 30 cm lange Schläuche, die in die Harnblase münden. Die Mündungen sind jeweils durch eine klappenartige Schleimhautfalte verschlossen. Diese „Ventile“ und der schräge Durchtritt der Harnleiter durch die muskuläre Blasenwand verhindern, dass der Urin während der Blasenkontraktion zurückfließt. [1]

1.3.2 Harnblase

Die Harnblase dient als Reservoir für den Harn und ist ein sog. Hohlorgan. Sie kann beim Erwachsenen ca. 0,6–1 Liter fassen. Die Empfindung der Blasenfüllung tritt aber bereits bei einer Ansammlung von 150–300 ml Urin ein. Zu Beginn der Füllung steigt der Druck in der Blase etwas an, bleibt dann bei weiterer Volumenzunahme aber konstant. Bevor sich der Druck bei noch stärkerer Füllung weiter erhöhen würde, setzt die aktive Blasenentleerung (= Miktion) ein. Die Blasenmuskulatur erhält somit einen weitgehend konstanten Blasentonus.

Die Innenwand der Harnblase ist mit einem Übergangsepithel ausgekleidet, das bei geleerter Blase Falten wirft. Die Blasenwand besteht aus drei Schichten glatter Muskelfasern (Detrusor vesicae). An der Mündung zur Harnröhre verdicken sich die glatten Muskelfasern zum inneren Schließmuskel (Sphincter internus). Der äußere Schließmuskel (Sphincter externus) besteht hingegen aus quergestreifter Muskulatur des Beckenbodens. [1]

1.3.3 Harnröhre (Urethra)

Die männliche und die weibliche Harnröhre sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die männliche Harnröhre ist ca. 20 cm lang und ihr Anfangsteil wird von der Prostata umschlossen. Sie dient sowohl als Kanal für Urin als auch für das Sekret der Prostata. Im Gegensatz dazu ist die weibliche Harnröhre weniger als 5 cm lang, sodass Bakterien leichter die Harnblase erreichen können. Aus diesem Grund leiden Frauen weitaus häufiger unter Harnwegsinfekten als Männer. [1]

1.3.4 Blasenentleerung (Miktion)

Die Blasenentleerung wird willkürlich ausgelöst, läuft dann aber reflektorisch ab. An diesem Vorgang sind die Kontraktion des Detrusormuskels, die Erweiterung der Harnröhre im Bereich des inneren Sphinkters, die Erschlaffung des äußeren Sphinkters und die Kontraktion der Bauch- und Beckenmuskulatur beteiligt. Die Empfindung des Harndrangs wird ab einem Füllvolumen von 150 ml durch Zunahme afferenter Nervenimpulse hervorgerufen. Die Kontraktion des Detrusormuskels wird über parasympathische efferente Fasern des Nervus splanchnicus pelvicus initiiert, die Erschlaffung des äußeren Schließmuskels über willkürmotorische Fasern des Nervus pudendus. Unterdrückbar ist der Miktionsreflex durch hemmende Impulse aus dem Mittelhirn, insbesondere aus der Großhirnrinde. [1]