Die Nieren sind paarige, unterhalb des Zwerchfells und beiderseits der Wirbelsäule gelegene Organe von bohnenförmiger Gestalt. An der medial gelegenen Konkavität (= Wölbung nach innen) befindet sich der Hilus (Nierenpforte), an dem die Gefäße (Arteria renalis, Vena renalis) sowie der Ureter (Harnleiter) ein- bzw. austreten. Der Längsdurchmesser einer Niere beträgt bei Erwachsenen ca. 10–12 cm, der Querdurchmesser 5–7 cm und das Gewicht etwa 120–200 g.

Die Nieren erfüllen lebenswichtige Funktionen:

  • Ausscheidung von Stoffwechselprodukten (z. B. Harnstoff), Fremdstoffen (Xenobiotika) und ihren Metaboliten
  • Kontrolle des Wasser- und Elektrolythaushalts
  • Konstanthaltung des extrazellulären Flüssigkeitsvolumens (Isovolämie), der osmotischen Konzentration (Isotonie) und des Ionengleichgewichts (Isoionie)
  • Regulation des Säure-Basen-Haushalts und Aufrechterhaltung des physiologischen pH-Werts (Isohydrie)
  • (langfristige) Blutdruckregulation mittels des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)
  • Abbau von Plasmaproteinen und Peptidhormonen

Zudem synthetisieren die Nieren wichtige Hormone (Calcitriol, Erythropoietin) und dienen als Erfolgsorgan für extrarenal gebildete Hormone (z. B. Adiuretin, Aldosteron, Calcitonin, natriuretische Peptide, Parathormon). [1]

Abb. 1: Darstellung von Nieren und harnableitendem System

1.1.1 Aufbau der Nieren

Die Nieren sind von einer bindegewebigen Kapsel überzogen. Im Inneren kann man schon makroskopisch die Nierenrinde (Cortex renis), das Nierenmark (Medulla renalis) und das Nierenbecken (Pelvis renalis), aus dem der Ureter austritt, unterscheiden. Die Markschicht ist durch 8–17 Pyramiden gekennzeichnet, deren Spitzen zum Zentrum zusammenlaufen. Diese Spitzen werden auch als Nierenpapillen bezeichnet und sind von schlauchförmigen Nierenkelchen überzogen. Letztere fangen den Endharn auf und leiten ihn in den Sammelraum des Nierenbeckens.

Über die aus der Aorta entstammende Arteria renalis wird die Niere mit Blut versorgt. Nach Eintritt in den Hilus verzweigt sich die Arterie in die Arteriae interlobares, die entlang der Säulen zwischen den Markpyramiden aufsteigen. An der Pyramidenbasis werden sie zu arkadenförmigen Ästen, aus denen die Arteriae interlobulares hervorgehen. Von diesen zweigen in regelmäßigen Abständen die Vasa afferentia ab, die die Nierenkörperchen (s. 1.1.2 Nephron) versorgen. In jedem Nierenkörperchen bildet das Vas afferens ein Kapillarknäuel, das sich wiederum zu einem Vas efferens vereinigt. An dieses Kapillarsystem schließt sich ein zweites, das peritubuläre Kapillarsystem an, welches die Tubuli und Sammelrohre (s. 1.1.2 Nephron) mit Blut versorgt. Das venöse Blut wird schließlich über die Vena renalis aus der Niere herausgeleitet. [1]

Abb. 2: Längsschnitt durch die Niere

Abb. 3: Nierenkörperchen

1.1.2 Nephron

Jede menschliche Niere enthält ca. eine Million funktionelle Einheiten, die als Nephrone bezeichnet werden. Ein Nephron besteht aus einem Nierenkörperchen und dem Tubulusapparat. Das Nierenkörperchen setzt sich aus dem Kapillarknäuel (Glomerulus) und der Bowman-Kapsel zusammen. Der Tubulusapparat besteht aus dem proximalen Tubulus, einem Überleitungsstück, dem distalen Tubulus und dem Sammelrohr. Die geraden Teile des proximalen und distalen Tubulus und das Überleitungsstück werden auch als Henle-Schleife bezeichnet. [1] 

Abb. 4: Schematische Darstellung eines Nephrons