Beispiel 1: Kopfschmerzen

Bei Patienten mit Kopfschmerzen ist vor allem die Frage nach Schmerzart und begleitenden Symptomen wichtig, da es zahlreiche Kopfschmerzformen gibt und je nach Art die Grenzen der Selbstmedikation überschritten werden. Tabelle 5 gibt einen Überblick über die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale. In der Selbstmedikation behandelt werden können nur der akute Spannungskopfschmerz und der Migränekopfschmerz (nach ärztlicher Diagnose!).

Spannungskopfschmerz

Es wird unterschieden zwischen episodischen und chronischen Formen. Episodischer Spannungskopfschmerz dauert 30 Minuten bis sieben Tage an. Tritt er weniger als einmal pro Monat bzw. zweimal pro Jahr auf, wird er auch als sporadisch bezeichnet. Als chronisch bezeichnet man den Spannungskopfschmerz, wenn er mindestens 15 Tage pro Monat auftritt und jeweils für Stunden oder kontinuierlich andauert. [9]

Der akute Spannungskopfschmerz ist gut im Rahmen der Selbstmedikation zu therapieren. Geeignet sind NSAR (Ibuprofen, ASS, Diclofenac, Naproxen) oder Paracetamol. [10] Es ist sinnvoll, die Therapie mit einer ausreichenden Dosis, entsprechend der maximalen Einzeldosis, zu beginnen und, wenn nötig, zu einem späteren Zeitpunkt nachzudosieren.

Migränekopfschmerz:
  • Mittel der 1. Wahl: Triptane (z. B. Sumatriptan, Rx!)
  • Nicht-Opioid-Analgetika (NSAR, Paracetamol)
  • Prokinetika gegen Übelkeit und Erbrechen (z. B. Metoclopramid, Rx!)

Laut Leitlinie „Therapie der Migräne“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie haben sich unter den Analgetika die Wirkstoffe ASS und Ibuprofen als am wirksamsten erwiesen. Die Wirkstoffkombination aus ASS, Paracetamol und Coffein ist den Monosubstanzen etwas überlegen. [11] [12] Wichtig ist, dass das Triptan oder Analgetikum bei einem Migräneanfall so früh wie möglich eingenommen wird.

Tab. 7: Unterscheidungsmerkmale verschiedener Kopfschmerzen [12]

Wichtige Fragen zu Kopfschmerzen: [9]
  • Können körperliche Routineaktivitäten wie Gehen oder Treppensteigen die Kopfschmerzen verstärken?
    ➔ Hinweis auf Migräne oder andere Kopfschmerzarten
  • Verspüren Sie während der Kopfschmerzen Übelkeit? ➔ Hinweis auf Migräne oder andere Kopfschmerzarten
  • Behindern die Kopfschmerzen Ihre üblichen Tätigkeiten (Arbeit, Schule, Freizeit) erheblich?
  • Nehmen Sie an mehr als 10 Tagen pro Monat Medikamente zur Akutbehandlung Ihrer Kopfschmerzen ein?
    ➔ Hinweis auf Analgetika-Kopfschmerz
  • Treten Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat auf?
Ergänzende Empfehlungen: [10]
  • Pfefferminzöl auf die Schläfen oder Stirn auftragen (bei Spannungskopfschmerzen)
  • bekannte Auslöser meiden (Alkohol, Nikotin, Koffeinentzug)
  • Spannungskopfschmerz: Spaziergang an der frischen Luft
  • bei Migräne: Ruhe, Vermeidung von Licht und Bewegungen
  • Methoden zur Muskelentspannung (z. B. autogenes Training, Yoga)
  • ggf. Kopfschmerzkalender führen

Grenzen der Selbstmedikation: Wenn Kopfschmerzen länger als 24 Stunden anhalten, übermäßig stark sind, mit Fieber, weiteren Symptomen wie Nackensteifigkeit, Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit einhergehen oder attackenartig auftreten, ist ein Arztbesuch erforderlich. [10]