Nicht alle Teile des Körpers sind mit „Schmerzrezeptoren“ (= Nozizeptoren) ausgestattet. Das Gehirn oder die Leber sind beispielsweise nicht schmerzempfindlich. Die gesamte äußere Haut, große Teile der Schleimhaut und zahlreiche Gewebe bzw. Organe im Körperinneren nehmen hingegen Schmerzen wahr. [2] Deshalb ist es sinnvoll, Schmerzen physiologisch anhand ihres Entstehungsortes zu unterscheiden.

1.3.1 Einteilung nach Entstehungsort

Unterschieden wird zwischen somatischem und viszeralem Schmerz, wobei der somatische Schmerz zusätzlich in Oberflächen- und Tiefenschmerz unterteilt werden kann. [2]

Somatischer Schmerz:

Die Schmerzempfindung geht von Haut, Muskeln, Gelenken, Knochen oder Bindegewebe aus. Ist der Schmerz in der Haut lokalisiert, wird er als Oberflächenschmerz bezeichnet. Der Tiefenschmerz hingegen hat seinen Ursprung in Muskeln, Gelenken, Knochen und Bindegewebe.

  • Oberflächenschmerz: Der Oberflächenschmerz hat zunächst einen hellen Charakter, ist gut lokalisierbar und klingt nach Reizende schnell wieder ab. Dieser erste Schmerz bewirkt in der Regel eine reflektorische Fluchtreaktion, z. B. das Wegziehen der Hand bei Berühren einer heißen Herdplatte. Je nach Reizintensität folgt nach kurzer Pause der zweite Schmerz, der einen dumpfen und brennenden Charakter hat.
    Beispiele: Nadelstich, Quetschen
  • Tiefenschmerz: Der Tiefenschmerz ist dumpf, schwer lokalisierbar und strahlt meist in die Umgebung aus. Als Beispiel zu nennen ist der Kopfschmerz, der die wohl häufigste Schmerzform darstellt. Zweiter Schmerz und Tiefenschmerz werden häufig von vegetativen Symptomen, wie z. B. Übelkeit, begleitet.
    Beispiele: Kopfschmerzen, Muskelkrampf
Viszeraler Schmerz (Eingeweideschmerz):

Der viszerale Schmerz hat einen dumpfen Charakter und ähnelt in seiner Ausprägung dem Tiefenschmerz. Er entsteht u. a. bei Dehnung der Bauchorgane, Spasmen der glatten Muskulatur, Mangeldurchblutung oder entzündlichen Erkrankungen.
Beispiele: Gallenkolik, Ulkus, Blinddarmentzündung

SONDERFALL: Neuropathischer Schmerz

Neuropathische Schmerzen haben einen besonderen Charakter und werden oft als quälend empfunden. Sie entstehen, wenn periphere oder zentrale Nerven durch Quetschung (z. B. durch Bandscheibenvorfall), Durchtrennung (z. B. bei Amputation), Entzündung (z. B. Gürtelrose) oder metabolische Störungen (z. B. Diabetes mellitus) geschädigt werden. An den geschädigten Nervenenden kommt es durch ektope Nervenimpulse (spontane Aktionspotentiale) zu einer fortlaufenden Aktivität, die schließlich zu neuroplastischen Veränderungen im Zentralnervensystem führt. Dort kommt es zu einer gesteigerten Erregbarkeit zentraler Nozizeptoren durch niederschwellige Mechanosensoren (Berührungsallodynie) oder Kältesensoren (Kälteallodynie). Neuropathische Schmerzen sprechen nicht auf peripher wirkende Analgetika (z. B. Ibuprofen) an. Für die symptomatische Therapie werden Antidepressiva, Antikonvulsiva und langwirkende Opioide eingesetzt. [2]

1.3.2 Einteilung nach Dauer

Schmerzen können auch anhand ihrer Dauer klassifiziert werden. Hierbei wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen differenziert. Der chronische Schmerz hat im Gegensatz zum akuten Schmerz seine physiologische Warnfunktion verloren und kann sich sogar zu einer eigenständigen Krankheit entwickeln. [2]

  • Akuter Schmerz: Der akute Schmerz ist von begrenzter Dauer und tritt plötzlich auf. Er erfüllt eine Warnfunktion und klingt nach Beseitigung bzw. Beendigung des Auslösers schnell wieder ab.
    Beispiele: Kopfschmerz, Zahnschmerz, Schnittverletzung, Muskelverspannung
  • Chronischer Schmerz: Der chronische Schmerz tritt entweder dauerhaft (z. B. bei Rückenschmerzen oder Tumorschmerzen) oder immer wiederkehrend auf (z. B. bei Migräne). Als chronisch bezeichnet man einen Schmerz, der länger als drei Monate besteht. In vielen Fällen ist der chronische Schmerz zunächst Begleitsymptom einer chronischen Erkrankung, er kann sich jedoch im weiteren Verlauf auch zu einer eigenständigen Krankheit entwickeln.
    Beispiele für chronische Krankheiten, die mit Schmerzen einhergehen: Tumorerkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Fibromyalgiesyndrom (FMS)