Zertifizierte Fortbildung Latente Azidose

Ein vermehrter Verzehr proteinhaltiger Lebensmittel und phosphathaltiger Getränke einerseits und verminderter Konsum basenreicher Produkte wie Obst und Gemüse andererseits sind häufig der Grund für eine latente Übersäuerung. In der durchschnittlichen westlichen Ernährung überwiegt meist die Säurezufuhr, so dass es oft zu einem Säure-Basen-Ungleichgewicht kommt.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen säure- und basenbildenden Nahrungsmitteln. Dabei ist es unerheblich, ob die Lebensmittel sauer schmecken. Zitronen gehören zum Beispiel nicht zu den säurebildenden Nahrungsmitteln. Wichtig für die Einteilung bzw. Unterscheidung ist vielmehr, wie die Lebensmittel hauptsächlich verstoffwechselt werden. Im Grunde sind proteinhaltige Nahrungsmittel, also Eiweiße, besonders stark säurebildende Lebensmittel. Dies liegt an den in Eiweißen enthaltenen schwefelhaltigen Aminosäuren (Cystein und Methionin), die im Körper zu Schwefelsäure (H2SO4) verstoffwechselt werden und so zu einer Säurebelastung führen. Phosphat in der Nahrung gilt ebenfalls als Protonenspender und damit als mögliche Quelle für eine Übersäuerung.

Abb.: Strukturformel der schwefelhaltigen Aminosäure L-Cystein

Abb.: Strukturformel der schwefelhaltigen Aminosäure L-Methionin

Säurebildende Lebensmittel:

  • Fleisch und Wurstwaren
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Brot, Backwaren und Getreideprodukte (z. B. Nudeln, Reis)
  • Milch, Milchprodukte (außer Molke) und Eier
  • Phosphathaltige Getränke (z. B. Cola, helles Bier)

Der basische Effekt in Lebensmitteln wiederum basiert auf dem Gehalt an organischen Mineralstoffen wie Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium, die zum Beispiel als anorganische Bicarbonate oder Citratsalze dem Körper über die Nahrung zugeführt werden. Beim Abbau dieser Mineralstoffe wird Säure verbraucht, so dass diese Mineralstoffverbindungen wie Säureüberschuss neutralisieren können und zur Stabilisierung des Säure-Basen-Gleichgewichts dienen.

Basenbildende Lebensmittel:

  • Gemüse, Salate und Kräuter
  • Obst und Trockenfrüchte
  • Säfte aus Obst und Gemüse
  • Kräuter- und Früchtetee
  • Mineralwasser und Rotwein

Werden über die Nahrung nicht genügend basisch zu verstoffwechselnde Lebensmittel zugeführt und liegt eine chronische Übersäuerung vor, ist es sinnvoll, mit Basenmitteln aus organisch oder anorganisch gebundenen Mineralstoffen wie Bicarbonaten zu supplementieren.

PRAL-Index

PRAL steht für die potentielle renale Säurebelastung (engl. potential renal acid load) eines Nahrungsmittels und dient als Maß für den Einfluss des jeweiligen Nahrungsmittels auf den Säure-Basen-Haushalt. Grundsätzlich gilt: Je weniger organische Salze ein Lebensmittel hat und je höher der Anteil an schwefelhaltigen Aminosäuren (Cystein und Methionin) und/oder Phosphor ist, desto höher ist der PRAL-Wert.