Zertifizierte Fortbildung Latente Azidose

Werden zum Beispiel durch die Nahrung zu viele sauer zu verstoffwechselnde Lebensmittel konsumiert und ist die renale Protonenausscheidung ausgeschöpft, kann es zu einer anhaltenden Übersäuerung und schließlich zu einer latenten oder auch chronisch latenten Azidose, CLA abgekürzt, kommen. Reichen also die Puffersysteme nicht mehr aus, kann es zum einen zu einer Säureeinlagerung in das Bindegewebe und zum anderen zu einer Basenfreisetzung aus dem Skelett kommen.

Auswirkung auf das Bindegewebe

Das Knorpel- und Bindegewebe dient vor allem als Stützgewebe. Werden durch eine CLA nun vermehrt Säuren (anstelle von Wasser) z. B. im Bindegewebe angelagert, kommt es zunächst zu Wasser- und schließlich zu Elastizitäts- und Funktionsverlusten, die wiederum zu Schmerzen in den Gelenken und Veränderungen in den Bandscheiben, Bändern und Sehnen führen können [6, 7, 18]. Hält dieser Zustand länger an, kann es zu chronischen Rücken- und Gelenkschmerzen kommen [7, 20, 22] sowie eine rheumatoide Arthritis begünstigen [6, 7, 21].

Auswirkung auf das Knochengewebe

Die Knochen dienen dem Körper unter anderem als eine Art „Basenspeicher“. Liegt eine CLA vor, kann es daher zu einem osteolytischen Effekt kommen, d. h. einer Demineralisation, indem vermehrt Calcium, Magnesium und Phosphat aus dem Skelettgerüst freigesetzt werden. Außerdem führt eine chronische Azidose zusätzlich zur Aktivierung von knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und gleichzeitig zur Hemmung knochenaufbauender Zellen (Osteoblasten) und somit zum Abbau von Knochensubstanz [14–16]. Damit einhergehend erhöht sich das Risiko, an einer Osteoporose zu erkranken, und folglich auch die Frakturgefahr.

Beide Beschwerdebilder finden daher bei der Therapie und Prävention einer CLA starke Berücksichtigung. Daneben gibt es Anhaltspunkte, die einen Einfluss der CLA zum Beispiel auch für die Entstehung von Nierensteinen und Hautproblemen (Rötungen, Juckreiz, Neurodermitis, Akne, Cellulite) sowie Gicht vermuten lassen.

Gicht

Bei einer Gichterkrankung ist die Ausscheidung von Harnsäure gestört. Die Erkrankung verläuft in Schüben und führt, sofern keine adäquate Behandlung stattfindet, zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben und gegebenenfalls sogar zu einer Niereninsuffizienz. Es ist bekannt, dass sich die Zufuhr großer Purin-Mengen (über tierische Proteine) ungünstig auf eine Gichterkrankung auswirkt. Das bedeutet, dass dieselben Lebensmittel, die zu einer metabolischen Azidose führen können, auch für Gichtpatienten kontraindiziert sind, weshalb grundsätzlich ein Zusammenhang mit einer CLA diskutiert wird.