Zertifizierte Fortbildung Latente Azidose

Liegt der Blut-pH-Wert unter 7,35, spricht man von einer Azidose (Übersäuerung, d. h. zu hohe H+-Konzentration), liegt der pH-Wert über 7,45 hingegen von einer Alkalose (Basenüberschuss, d. h. zu niedrige H+-Konzentration).

Störungen des Säure-Basen-Haushaltes sind häufig: Zum einen sind die körpereigenen Pufferkapazitäten begrenzt und dadurch schnell überlastet, zum anderen können bestimmte Lebensumstände und Erkrankungen das Gleichgewicht stören.

Erkrankungen, bei denen eine mögliche Störung des Säure-Basen-Haushaltes zu beachten ist, sind beispielsweise:

  • Chronisches Erbrechen
  • Diabetes mellitus
  • Diarrhöen
  • Emphysem
  • Leberzirrhose
  • Niereninsuffizienz

In solchen Fällen gilt es in erster Linie, die Grunderkrankung zu therapieren (z. B. ausreichende Nierenersatztherapie, passende Insulingabe bei Diabetes) und somit das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen einer akuten und einer chronischen Azidose. Einer akuten Azidose liegt meist eine massive Stoffwechselentgleisung zugrunde, die z. B. durch eine Nieren- oder Lungenfunktionsstörung verursacht wird. Durch den dabei relativ raschen Abfall des Blut-pH-Wertes unter 7,1 handelt es sich um eine lebensbedrohliche Situation, die sofort ärztlich therapiert werden muss und daher nicht Gegenstand dieser Fortbildung ist.

Außerdem unterscheidet man noch zwischen einer respiratorischen Azidose bzw. Alkalose, die durch eine Störung des pulmonalen Gasaustausches hervorgerufen wird, und einer metabolischen Azidose bzw. Alkalose, die durch Stoffwechselprozesse verursacht wird. Die letztere Form der Azidose stellt die häufigste und wichtigste Störung des Säure-Basen-Haushalts dar.

Liegt eine lantente Azidose vor, bei der der Blut-pH-Wert zwar noch im physiologischen Normbereich, aber leicht ins Saure verschoben ist, sollte eine Supplementation mit Basenpräparaten erfolgen, um möglichen unerwünschten Konsequenzen, wie z. B. einer Demineralisation der Knochen, vorzubeugen.