2.9 Systemische Therapie bei schwerer Neurodermitis5, 12, 13

Eine systemische Therapie bei Neurodermitis ist nur bei schweren Krankheitsverläufen angezeigt. Die Wirkstoffe gelangen oral über den Magen-Darm-Trakt oder subkutan über eine Spritze ins Blut.

Etwa zehn Prozent der erwachsenen Patienten werden zumindest zeitweilig systemisch behandelt. Für die Behandlung der Neurodermitis bei Kindern steht derzeit noch kein zugelassenes Arzneimittel zur Verfügung.

WirkstoffAllgemeine Empfehlung
Ciclosporin++ Therapie des akuten Schubs
KortikosteroideÜberholt
DupilumabLangzeit-Erhaltungstherapie
Off-Label-Therapie:

Methotrexat
Azathioprin
Mycophenolsäure


Langzeit-Erhaltungstherapie
Kann für Langzeittherapie eingesetzt werden
++ Geringe Toxizität

Tab. 3: Systemische Therapie zur Behandlung der schweren Neurodermitis (adaptiert aus der europäischen Leitlinie)13

  • Orale Glukokortikoide: In der AWMF-S2k-Leitlinie wird beschrieben, dass eine Kurzzeittherapie mit oralen Glukokortikosteroiden zu einer Unterbrechung des akuten Schubes in Erwägung gezogen werden kann (v. a. bei Erwachsenen mit schweren Formen einer Neurodermitis). Aufgrund der unerwünschten Arzneimittelwirkungen wird jedoch keine längerfristige Therapie empfohlen.5 Auch die europäische Leitlinie sieht, wenn überhaupt, einen kurzzeitigen Einsatz in Ausnahmefällen bei Erwachsenen mit schwerer Neurodermitis vor. Von einem längeren Gebrauch wird auch hier abgeraten.13
     
  • Ciclosporin: Ciclosporin gehört zur Arzneimittelgruppe der Immunsuppressiva, d. h., der Wirkstoff hemmt die Immunreaktion und damit auch den Entzündungsprozess. Konkret beeinflusst Ciclosporin die Aktivität von T-Zellen und die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine.

    Bei längerfristiger Einnahme kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen (u. a. irreversible Beeinträchtigungen der Nierenfunktion, Bluthochdruck), sodass der behandelnde Arzt ein regelmäßiges Monitoring durchführen und auf eine individuell angepasste Dosierung achten muss. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils empfiehlt die europäische Leitlinie bei der Therapie mit Ciclosporin eine Kurzzeit- oder eine Intervalltherapie von 3–6 Monaten.13 Dabei wird der Wirkstoff zu Beginn der Behandlung höher dosiert verabreicht und bei einer Besserung der Beschwerden schrittweise auf eine individuelle Erhaltungsdosis reduziert, bis die Therapie schließlich abgesetzt bzw. unterbrochen werden kann. Häufige Nebenwirkungen sprechen gegen eine Langzeittherapie mit Ciclosporin.

    Zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist Ciclosporin nicht zugelassen. Im Falle einer sehr schweren Neurodermitis kann der Arzt jedoch eine Off-Label-Therapie in Erwägung ziehen.13