1.2 Was ist Neurodermitis?

Die Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche, rezidivierende Hauterkrankung, die häufig auf Grundlage einer Atopie vorkommt. Mit Atopie wird die Neigung bezeichnet, auf Kontakt mit manchen Umweltstoffen mit einer allergischen bzw. immunologischen Reaktion des Soforttyps zu reagieren. Zum atopischen Formenkreis gehören neben der Neurodermitis allergisches Asthma, allergische Rhinitis, allergische Bindehautentzündung und Nahrungsmittelallergien.

Der Begriff „Neurodermitis“ leitet sich aus dem Griechischen ab (Neuron = Nerv, Derma = Haut und die Endung „-itis“ als Kennzeichen für einen Entzündungsprozess). Er entstand in einer Zeit, in der vermutet wurde, dass eine Entzündung der Nerven im Zusammenhang mit den Hautveränderungen stünde. Obwohl inzwischen bekannt ist, dass dies nicht korrekt ist, ist die Bezeichnung „Neurodermitis“ noch immer gebräuchlicher als die von Medizinern bevorzugten Begriffe „atopische Dermatitis“ oder „atopisches Ekzem“.

Die Ursachen der Neurodermitis werden heute in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren gesehen. Die beiden wichtigsten sind die gestörte Barrierefunktion der Haut sowie eine genetisch bedingte Neigung des Immunsystems, überschießend auf harmlose Reize aus der Umwelt zu reagieren.

Abb. 1: Erkrankungen des atopischen Formenkreises, Quelle: Broschüre „Neurodermitis verstehen“ (Sanofi Aventis Deutschland GmbH)

Selbst bei milden Verlaufsformen ist die Neurodermitis für die Betroffenen oftmals mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität assoziiert.2 Der häufig quälende Juckreiz kann Schlafstörungen sowie Konzentrationsstörungen und ein Nachlassen der physischen und mentalen Leistung zur Folge haben (s. auch Kapitel 1.6 Typische Symptome). Die Veränderungen der Haut können in Stigmatisierung und sozialer Isolation resultieren, die sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene nur schwer verarbeiten können.2