Bei der Ersteinweisung kommt es darauf an, dem Patienten das Prinzip der Blutzuckermessung zu erläutern und das jeweilige Messsystem mit all seinen Funktionen verständlich zu machen. 

Die Basisfunktionen und -einstellungen des Blutzuckermessgeräts (abhängig vom Gerätetyp):

  • Ein- und Ausschalten
  • Speicherfunktionen
  • Einstellen von Datum und Uhrzeit
  • Einstellen der gewünschten Messeinheit, sofern möglich (mg/dl oder mmol/l)

Rahmenbedingungen

  • Temperatur:
    Teststreifen und Messgeräte sind temperaturempfindlich (Herstellerangaben beachten!)
  • Messbereich:
    zwischen 10 mg/dl und 600 mg/dl bzw. zwischen 0,6 mmol/l und 33,3 mmol/l [1]

Handhabung und Lagerung der Teststreifen:

  • Meist zwischen 6 °C und 44 °C (nicht im Kühlschrank oder Gefrierfach), auf Herstellerangaben achten!
  • Vor direkter Sonneneinstrahlung schützen
  • Auf das Verfallsdatum achten (nach Ablauf nicht mehr verwenden!)
  • Öffnungsdatum auf der Dose notieren (Haltbarkeit: meist 3 Monate nach Öffnen (Herstellerangaben beachten!); die Haltbarkeit verkürzt sich bei Überschneidung mit dem Verfallsdatum)
  • Teststreifen mit sauberen, trockenen Händen entnehmen
  • Dose sofort nach Entnahme eines Teststreifens verschließen
  • Teststreifen nur im Originalbehältnis aufbewahren

Ein Test mit der Kontrolllösung ist erforderlich in folgenden Fällen:

  • Öffnen einer neuen Teststreifendose
  • Fragliche Testergebnisse
  • Generelle Überprüfung des Messgerätes / der Teststreifen
  • Vermutung, dass das Messgerät und/oder die Teststreifen nicht richtig funktionieren
  • Heruntergefallenes Messgerät
  • Lagerung ober- oder unterhalb der vorgegebenen Temperaturen

Erläuterung der korrekten Durchführung der Blutzuckerselbstmessung (s. Teil II: Blutzuckermessung):

  • Vorbereitung der Messutensilien: Messgerät, Teststreifen, Stechhilfe, Tupfer/ Taschentuch, ggf. Blutzuckertagebuch und Stift bereitlegen
  • Auf saubere und trockene Hände bzw. Sauberkeit der alternativen Messstelle achten
    ➔ Waschen mit Seife und Wasser ist ausreichend, alkoholische Desinfektion nicht erforderlich!
  • Kurz vor der Messung die Hände mit warmem Wasser waschen, um die Durchblutung anzuregen
  • Entnahme eines Teststreifens, sofortiges Verschließen der Teststreifendose und Einführen des Teststreifens in das Messgerät
  • Punktion mit der Stechhilfe vorzugsweise an der seitlichen Fingerbeere
    ➔ kleiner Finger, Mittel- und Ringfinger eignen sich am besten, da sie im Alltag nicht so oft gebraucht werden wie Zeigefinger und Daumen
    ➔ Punktionsstelle regelmäßig wechseln
  • Bluttropfen durch leichtes Drücken gewinnen
    ➔ bei frisch gewaschenen Händen immer den ersten Blutstropfen verwenden, bei starker Verschmutzung der Hände den zweiten Tropfen
  • Lanzette und Teststreifen sicher entsorgen (bruchsicherer Abwurfbehälter)
  • Ergebnis ablesen und dokumentieren (Blutzuckertagebuch)

Dokumentation und Interpretation der Blutzuckerwerte:

Es empfiehlt sich, zur Blutzuckerkontrolle ein Tagebuch zu führen, in schriftlicher oder elektronischer Form. Dieses dient als Beratungsgrundlage für Arzt und Apotheker. Durch strukturiertes Management und Dokumentation der Blutzuckerwerte und -trends kann die Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt/Apotheke gefördert sowie die Eigenmotivation des Patienten gestärkt werden.

Der Patient muss in der Lage sein, die gemessenen Blutzuckerwerte richtig zu interpretieren und Stoffwechselschwankungen (Hyper- und Hypoglykämie) zu erkennen. Deshalb sollte der Patient auch hierzu informiert und beraten werden, vor allen Dingen, wie er sich bei ungewöhnlichen (sehr hohen / sehr niedrigen) Messwerten verhalten soll. Dies ist entscheidend, da Studienergebnisse belegen, dass Diabetiker zum einen nicht so häufig ihren Blutzuckerwert bestimmen, wie es empfohlen wird und zum anderen oft nicht aktiv werden, wenn der Messwert vom Zielwert abweicht [4]. Zudem konnte gezeigt werden, dass eine Farbanzeige die Einordnung und Interpretation der Messwerte erleichtert [5].

Hyperglykämie:

Ein Arztbesuch ist umgehend erforderlich, wenn die Blutglukosewerte nüchtern über 125 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l und nach einer Mahlzeit über 200 mg/dl bzw. 11,1 mmol/l liegen [6]. Symptome einer Hyperglykämie sind z. B. starkes Durstgefühl, Bewusstseinstrübung, Übelkeit und Erbrechen.

Sie sollten darüber Ihren Arzt informieren: Nüchtern Nach der Mahlzeit
Ο umgehend über 125 mg/dl bzw.
über 7,0 mmol/l
über 200 mg/dl bzw.
über 11,1 mmol/l
Ο in absehbarer Zeit 100–125 mg/dl bzw.
5,6–7,0 mmol/l
140–200 mg/dl bzw.
7,8–11,1 mmol/l
Ο bei Ihrem nächsten Besuch unter 100 mg/dl bzw.
unter 5,6 mmol/l
unter 140 mg/dl bzw.
unter 7,8 mmol/l

Tab. 1: Ausschnitt aus dem Patienteninformationsbogen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) [6]

Hypoglykämie:

Bei einer Hypoglykämie sinkt der Blutglukosewert unter 65 mg/dl bzw. 3,6 mmol/l [7]. Symptome sind z. B. Zittern, Schwitzen, Tachykardien (Herzrasen), Bewusstseinstrübung und bei sehr niedrigen Werten schließlich Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit [8]. Die DDG empfiehlt schon bei Verdacht auf eine Hypoglykämie Zucker (z. B. Traubenzucker) zu verabreichen [9]. Weist der Patient schwere Symptome wie Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit auf, so ist ein Notarzt zu rufen.

Erläuterung der Messung an alternativen Körperstellen (Alternate Site Testing = AST):

Eine Messung an alternativen Körperstellen, z. B. Unterarm, Oberschenkel, Bauch, wird nur bei langsamen Blutzuckerveränderungen und stabilen Blutzuckerwerten empfohlen. Das Messsystem muss laut Herstellerangaben für AST geeignet sein. Besteht ein Verdacht auf Unterzuckerung, sollte die Messung immer an der Fingerbeere vorgenommen werden [1].

Erläuterung möglicher Fehlerquellen:

Verschiedene Fehler können die Messergebnisse verfälschen und somit zu einer falschen Interpretation der Blutzuckerwerte führen. Der Patient sollte auf diese möglichen Fehlerquellen hingewiesen werden, damit er sie vermeiden kann.

Fehlerquelle Ursache Blutzuckerwert Vermeidung
Berühren des Teststreifens bei wenigen Teststreifen Verfälschung möglich erniedrigt oder erhöht → Teststreifenfeld nicht berühren
Blutentnahmestelle nicht sauber Lebensmittelreste, Schweiß, Kosmetika, Handcreme verfälscht → Hände gründlich waschen
Blutentnahmestelle noch feucht Wasser oder Alkohol verfälscht → Blutentnahmestelle muss trocken sein
Galaktosämie kann Messergebnis beeinflussen falsch erhöht → geeignete Methode verwenden
Haltbarkeitsdatum überschritten die Enzyme haben sich abgebaut verfälscht/keine Messung möglich → Haltbarkeitsdatum beachten
Hyperlipidämie/Hyperurikämie stark erhöhte Cholesterin-, Triglycerid- oder Harnsäurewerte verfälscht → Laborwerte beachten
Lagerung der Teststreifen, Dose nicht verschlossen, Teststreifen bereitgelegt für nächste Messung Luftfeuchtigkeit, Hitze, Kälte beeinflussen Aktivität verfälscht → Lagerungsbedingungen einhalten, Dose immer verschließen, Teststreifen unmittelbar vor Messung entnehmen
Peritonealdialyse (CAPD mit Icodextrin) kann Messergebnis beeinflussen falsch erhöht → geeignete glukosespezifische Methode verwenden
starkes Pressen der Fingerbeere Gewebewasser verdünnt die Blutprobe erniedrigt → Hände warm waschen, nur leicht drücken
Umgebungsbedingungen (Temperatur, Höhe) Enzymreaktion ist temperatur-/sauerstoffabhängig verfälscht → vorgeschriebene Umgebungsbedingungen einhalten
zu wenig Blut Testfeld nicht ausreichend bedeckt erniedrigt oder Fehlermeldung → korrekte Blutmenge beachten

Tab. 2: Mögliche Fehlerquellen bei der Blutzuckerselbstmessung [1]

Nach der Ersteinweisung des Patienten sollte mit dem Apotheker zusammen eine Blutzuckermessung durch den Patienten selbst vorgenommen werden. Wird ein Patient auf ein neues Blutzuckermesssystem eingestellt, z. B. weil er noch ein altes Gerät verwendet, ist eine Folgeeinweisung durchzuführen [2].

Monitoring:

Ein- bis zweimal pro Jahr sollte die Blutzuckerselbstkontrolle des Patienten in der Apotheke überprüft und besprochen werden. Hierbei sollte evaluiert werden, ob der Patient die Messungen richtig durchführt, die Ergebnisse interpretieren kann und ob eventuelle Fehler das Ergebnis verfälschen [2, 10].