Die Apotheke ist häufig die erste Anlaufstelle für Patienten, wenn Fragen zur Blutzuckermessung auftreten oder ein Problem mit dem Blutzuckermessgerät besteht. Aufgrund dessen hat die Apotheke im Bereich der Blutzuckerselbstkontrolle für Diabetespatienten eine wichtige Beratungsfunktion, um ihnen die richtige Anwendung des Messgerätes zu erklären, sie zur Blutzuckermessung zu beraten und sie mit Messsystem und passenden Teststreifen zu versorgen. Dies kann ausschlaggebend dafür sein, wie gut das Therapiemanagement zu Hause durchgeführt wird.

Für Patienten, die noch auf kein Messsystem eingestellt sind und eine Beratung in der Apotheke in Anspruch nehmen möchten, ist ein geeignetes Messsystem abhängig von den individuellen Bedürfnissen auszuwählen.

Auswahl des geeigneten Messsystems

Blutzuckermesssysteme bestimmen meist mit Hilfe elektrochemischer Messprinzipien die Blutzuckerkonzentration und verwenden kapillares Vollblut (mit korpuskulären Bestandteilen wie Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten) als Probenmaterial [1].

Das Blutzuckermesssystem sollte den Bedürfnissen des Patienten entsprechen. Ein optimal auf den Patienten abgestimmtes Messsystem erleichtert eine regelmäßige Blutzuckermessung und trägt somit zur erfolgreichen Therapie bei. Folgende Parameter sind hierbei zu berücksichtigen [2]:

  • Benötigte Blutmenge: Zwischen 0,3 und 1,2 μl Kapillarblut, empfehlenswert für den Patienten ist eine möglichst kleine benötigte Blutmenge.
  • Messdauer: Gerätespezifisch zwischen 4 und 10 Sekunden.
  • Konzentrationseinheiten: In Deutschland wird der Blutzucker in mg/dl oder mmol/l angegeben (meistens gerätespezifisch und nicht verstellbar). Hierbei sollte dem Patienten der Unterschied erklärt werden und auf eine mögliche Verwechslungsgefahr der Einheiten hingewiesen werden.
  • Größe und Gewicht: Messgeräte mit Testkassette (enthalten Stechhilfe, Lanzettentrommel und Blutzuckertests) haben ein höheres Gewicht und sind größer als Messgeräte mit separater Stechhilfe und Teststreifen. Für motorisch eingeschränkte Patienten kann außerdem ein großes Gehäuse mit weit auseinanderliegenden Tasten sinnvoll sein.
  • Speicherung von Messwerten/Schnittstelle zum Computer: Meist haben die Systeme eine Kapazität von mindestens 400 Werten mit Uhrzeit und Datum [1]. Zusätzlich können je nach Messgerät prä- und postprandiale Werte markiert und/oder ein Mittelwert aus Wochen und Monaten ermittelt werden.
  • Integrierte Kalkulatoren: Messsysteme einiger Hersteller haben einen integrierten Kalkulator der zu verabreichenden Insulindosis. Alle Daten können am Computer ausgewertet werden, es existieren jedoch keine allgemeinen Standards.
  • Zusatzfunktionen: Sprachausgabe des Ergebnisses (bei Sehschwäche oder - behinderung empfehlenswert), Beleuchtung am Gerät, Schätzung des HbA1c- Wertes (s. Teil II: Blutzuckermessung), dreifarbige Anzeige zur Interpretation der Messergebnisse
  • Handhabung und Reinigung: Es ist wichtig, dass der Patient mit seinem System eine erfolgreiche Kontrolle seiner Blutzuckerwerte bzw. der Insulintherapie durchführen und es ordnungsgemäß bedienen kann. Deshalb sind alle individuellen Gegebenheiten des Patienten mit einzubeziehen, vor allem Alter und Fingerfertigkeit. Darüber hinaus sind auch Geräte für Linkshänder verfügbar. Generell vorteilhaft sind Messgeräte mit gut lesbaren Messwerten auf einem großen Display, die dem Patienten einfach darstellen (z. B. mit einer farbigen Anzeige), ob der Messwert im Normbereich liegt.

Für den Patienten sollte durch den Apotheker eine Vorauswahl von mindestens zwei Messsystemen getroffen werden [2]. Der Patient sollte die Möglichkeit haben, diese auszuprobieren, um das für ihn am besten geeignete System auszusuchen.