Die Blutzuckermessung zur Diagnosestellung

Sowohl zur Diagnosestellung eines Diabetes mellitus als auch zur Verlaufsbeurteilung und Therapieentscheidung sind die Blutzuckermessung und Dokumentation von zentraler Bedeutung.

Zur Diagnosestellung eines Diabetes mellitus bestimmt der Arzt in der Regel den Nüchternblutzucker (NBZ) aus dem Blutplasma (nicht zellulärer Anteil des Blutes) des Patienten. Hierzu wird meist eine Blutprobe aus der Armvene entnommen und zu einem Labor geschickt, das den Blutzuckerwert bestimmt.

Die Bestimmung des NBZ ist einfach und kostengünstig durchzuführen und ist der maßgebliche Test für die Diagnose eines Diabetes mellitus. Wie der Name schon vermuten lässt, muss der Betroffene hierfür nüchtern sein, definitionsgemäß also acht Stunden ohne Nahrungsaufnahme.

In der aktualisierten Version der Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft von 2016 [1] werden die Werte angegeben, die für einen Diabetes mellitus sprechen:

  • Entweder eine Nüchtern-Plasmaglukose (s. o.) von ≥ 126 mg/dl bzw. ≥ 7,0 mmol/l oder
  • ein Gelegenheits-Plasmaglukosewert (s. u.) von ≥ 200 mg/dl bzw. ≥ 11,1 mmol/l oder
  • einen HbA1c-Wert (s. u.) ≥ 6,5 % bzw. ≥ 48 mmol/mol oder
  • ein 2-Stunden-Wert eines oralen Glukose-Toleranz-Tests (oGTT, s. u.) ≥ 200 mg/dl bzw. ≥ 11,1 mmol/l

Von einem Gelegenheitsblutzucker spricht man bei einem unabhängig von Tageszeit und Nahrungsaufnahme gemessenen Blutzuckerwert.

Der HbA1c-Wert gibt die Menge des mit Glukose verbundenen roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) an und hängt direkt von der Höhe des Blutzuckers ab. Bei Gesunden liegt der Wert bei etwa 5 % (31 mmol/mol). Es handelt sich um eine Art „Blutzuckergedächtnis“, da es die Blutzuckerstoffwechsellage des Patienten in den letzten acht bis zehn Wochen abbildet. Dieser Wert eignet sich also auch gut als Therapieziel, das der Arzt in Absprache mit dem Patienten festlegt. So soll gemäß S3-Leitlinie der DDG beispielsweise der angestrebte HbA1c-Wert bei Menschen mit Typ-1-Diabetes unter 7,5 % (58 mmol/mol) liegen, ohne dass schwere Hypoglykämien (zu niedrige Blutzuckerspiegel) auftreten [2].

Beim oralen Glukose-Toleranz-Test (oGTT) wird untersucht, wie stark der Blutzucker nach Trinken einer definierten Zuckerlösung ansteigt und dient so dem Nachweis eines gestörten Glukosestoffwechsels. Die in Wasser gelöste Glukose führt zu einem steilen Anstieg der Blutglukosekonzentration, was zu einer Sekretion von Insulin führt, um blutzuckersenkende Maßnahmen in Gang zu setzen (s. auch Teil I: Diabetes mellitus). Der oGTT zeigt, ob diese Regelungsfähigkeit gestört ist.

Bei Vorliegen der Diagnose eines Diabetes mellitus trägt das Ergebnis der Blutzuckermessung zur Therapieentscheidung bei.

Abb. 1: Zur Nüchternblutzuckerbestimmung aus dem Blutplasma wird meist eine Blutprobe aus der Armvene entnommen