Aus den oben beschriebenen Wirkungen des Insulins im Körper ist nachvollziehbar, dass es zu den wichtigsten Regulatoren des Glukosestoffwechsels zählt.

Insulin wird ausgeschüttet (sezerniert), wenn der Blutzuckerspiegel ansteigt. So können Prozesse in Gang gesetzt werden, die Glukose verbrauchen.

Es dürfte jedoch bekannt sein, dass nicht nur zu viel, sondern auch zu wenig Glukose gefährlich ist. Glukagon, der „Gegenspieler“ des Insulins, sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt. Hierbei handelt es sich, wie beim Insulin, um ein Peptidhormon (s. u.), das in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse (Alpha-Zellen) gebildet wird. Dieses Hormon aktiviert in der Leber ein Enzym (Glykogenphosphorylase, PYG), das den Abbau von Glykogen zu Glukose einleitet (s. o.) und in der Folge den Blutzuckerspiegel erhöht (s. Abb. 2).

Glukagon stimuliert jedoch nicht nur die Glykogenolyse (Glykogenabbau), sondern auch die oben beschriebene Neusynthese von Glukose (Glukoneogenese) aus Aminosäuren.

Im Gegensatz zum Insulin, das als einziges Hormon den Blutzucker senken kann, sorgen neben Glukagon auch Adrenalin, Kortisol, Somatostatin und Schilddrüsenhormone für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Peptidhormone

Peptidhormone sind fettunlösliche Hormone, die eine Eiweißstruktur aufweisen; es handelt sich also um spezielle Eiweiße mit Hormonfunktion.

Die geschilderten Zusammenhänge im Rahmen der Regulation des Blutzuckerspiegels zeigen, dass es sich hierbei um einen sehr komplexen, dynamischen biochemischen Prozess handelt. Damit die Patienten diese Zusammenhänge und dadurch ihre Erkrankung besser verstehen, ist eine kompetente Beratung von Seiten der Apotheke außerordentlich wichtig (s. Teil II und III der Fortbildung).

Abb. 1: Sowohl Insulin als auch Glukagon werden in der Bauchspeicheldrüse gebildet

Abb. 2: Regulierung des Blutzuckerspiegels (vereinfachte Darstellung) durch Insulin und Glukagon