1.3 Lymphgefäße

Die Wände der initialen Lymphgefäße bestehen aus einer einzelnen Schicht Endothelzellen, die auf einer kaum ausgebildeten Basalmembran liegen. Die Endothelzellen bilden durch ihre dachziegelartige Anordnung ein Einlassklappensystem aus, das der Aufnahme von Flüssigkeit und auch Makromolekülen dient. Wenn der Innendruck in der Lymphkapillare zunimmt, schließen sich die zuvor geöffneten Endothelfugen und es erfolgt eine Druckumkehr. Die Lymphe wird dann durch den von außen anliegenden Druck (z. B. durch die Muskelpumpe) weiter in die größeren und klappenhaltigen Lymphkollektoren und schließlich in die Lymphstämme geleitet.

Das Lymphangion ist eine funktionelle Einheit der Lymphkollektoren und umfasst den Abschnitt zwischen zwei Klappen.

Abb. 2: Aktionsphasen eines Lymphangions nach A. Castenholz und H. Zöltzer

Im Gegensatz zum Blutgefäßsystem stellt das Lymphgefäßsystem keinen geschlossenen Kreislauf mit Pumpe (= Herz) dar, sondern ein Einbahnsystem, das blind in der Peripherie beginnt. Anders als Venen sind die Lymphgefäße mit eigenen Muskelzellen ausgestattet, die die Gewebeflüssigkeit aktiv in Richtung Brust- und Bauchraum befördern (Eigenmotorik der Lymphangione durch nervale und hormonelle Einflüsse, Lymphpumpe). Die Pulsationsfrequenz beträgt in Ruhe ca. 1–10 Kontraktionen/Minute und bei maximaler Belastung bis zu 20 Kontraktionen/Minute. Um den Abfluss in Bewegung zu halten, ist aber die zusätzliche Anspannung anderer Muskeln (Puls-, Atem- und Körperbewegung) erforderlich.