Beratung in der Apotheke

Mit gezielten Fragen kann die beratende Person in der Apotheke schnell feststellen, ob ein Patient mit Durchfallsymptomatik für die Selbstmedikation geeignet ist oder ob die Grenzen der Selbstmedikation überschritten sind. Handelt es sich um Patienten mit einer diagnostizierten chronischen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa, kann die Apotheke dennoch zu komplementären Therapieoptionen (z. B. Myrrhe, Kamille, Kaffeekohle etc.) beraten.

Das Beratungsgespräch ist in drei Teile gegliedert:

  • Fragen
  • Entscheiden
  • Informieren28

Die erste Frage sollte immer lauten „Für wen ist das Arzneimittel?“, da das Alter (Säuglinge, Kleinkinder, Senioren) und andere Umstände (z. B. Schwangerschaft, Stillzeit) berücksichtigt werden müssen.

Wichtige Fragen bei Patienten mit Durchfallbeschwerden sind:

  • Welche Beschwerden liegen vor? (Stuhlganghäufigkeit, -konsistenz)
  • Seit wann? (akut/chronisch)
  • In welchem Zusammenhang treten die Beschwerden auf? (Nahrungsmittel, Arzneimitteleinnahme, Stress)
  • Welche anderen Symptome liegen vor? (z. B. Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus, Bauchschmerzen)
  • Liegen diagnostizierte Erkrankungen vor, die den Durchfall auslösen könnten? (zum Beispiel chronische Darmerkrankungen, Ulkus, Malabsorption, Diabetes mellitus, Hyperthyreose)
  • Wurde kürzlich eine Auslands-/Tropenreise unternommen? (zum Beispiel in ein Malariagebiet)
  • Welche Arzneimittel werden (regelmäßig/kurzfristig) eingenommen? (Durchfall als UAW, Laxantienabusus!)

Merke:

Typische Arzneimittelgruppen, die Diarrhö als UAW hervorrufen können, sind Laxantien, Antibiotika, Zytostatika, NSAR, motilitätsfördernde Mittel, Antiemetika, Cholinergika, Lipidsenker, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, Antimykotika, Virustatika, Bisphosphonate, Antidepressiva, Antiepileptika, Parkinsonmittel, Malariamittel, Immunsuppressiva.

Durch die Fragen kann beurteilt werden, ob die folgenden Grenzen der Selbstmedikation überschritten sind.

Grenzen der Selbstmedikation bei Diarrhö:

  • Wechsel von Diarrhö und Obstipation
  • Verdacht auf arzneimittelbedingte Diarrhö (z. B. Antibiotika)
  • Fieber > 39 °C
  • Beschwerdedauer > 3–4 Tage ohne Besserung
  • Chronischer bzw. rezidivierender Durchfall > 2 Wochen
  • Dehydratation mit Gewichtsverlust (> 5 %)
  • Kolikartige Schmerzen, Krämpfe
  • Blutiger oder schleimiger Stuhl
  • Verdacht auf Intoxikation, bakterielle oder virale Infektion (z. B. Salmonellen, Rotavirus)
  • vorangegangener Auslands-/Tropenaufenthalt
  • Verdacht auf Dehydratation bei Säuglingen und Senioren
  • Risikogruppen (Säuglinge, Kleinkinder, Ältere)29

Mögliche Erkrankungen, die Durchfall verursachen und in ärztliche Hand gehören, sind chronische Pankreatitis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, pseudomembranöse Colitis, Salmonelleninfektion, Laktoseintoleranz, Hyperthyreose, Reizdarmsyndrom und maligne Erkrankungen.

Sind die Grenzen der Selbstmedikation überschritten, ist der Patient an den Arzt zu verweisen. Je nach Schwere der Symptomatik kann es erforderlich sein, dem Patienten ein Präparat zur Überbrückung bis zum Arztbesuch mitzugeben.

Entscheiden für ein Arzneimittel / Präparat

Falls eine Selbstmedikation in Frage kommt, ist individuell zu entscheiden, welches Präparat für den Patienten und die Therapie seiner Beschwerden am besten geeignet ist.

Wichtige Hinweise, die zum ausgewählten Arzneimittel gegeben werden sollten, betreffen Anwendung, Dosierung, Behandlungsdauer, Wirkweise, unerwünschte Wirkungen und Lagerung. Wenn sich die Beschwerden trotz der Behandlung nicht bessern oder die Symptome sich verschlechtern, ist ein Arztbesuch erforderlich.28

Tab. 3: Mögliche Therapieoptionen/Beispiele

Zusätzliche Hinweise bei Durchfall

Ein Beratungsgespräch erhält mit zusätzlichen nützlichen Hinweisen für den Patienten einen runden Abschluss.

Bei Durchfall sind folgende Zusatzmaßnahmen empfehlenswert:

  • Ausgleich des Flüssigkeitsdefizits oral (mind. zwei Liter pro Tag)
  • diätetische Ernährung/Stopfkost:
    • Reis, Banane, Zwieback, Tee, Brühe
    • Verzicht auf Kaffee, Säfte, Limonaden, Alkohol, fettige Speisen
  • Hygienemaßnahmen einhalten: nach jedem Stuhlgang die Analregion mit Seife waschen, Händewaschen,
    Händedesinfektion, Reinigung und Desinfektion der Toilette und des Toilettensitzes, ggf. Toilettentrennung
  • körperliche Schonung, keine intensive sportliche Aktivität
  • eventuell supportiv: Probiotika zur Darmsanierung

Vorsichtsmaßnahmen, die einem Durchfall auf Reisen vorbeugen: Nur gekochtes oder geschältes Gemüse/Obst essen (Leitsatz: Peel it, boil it, cook it or forget it!), Trinkwasser abkochen bzw. ausschließlich geschlossene Getränke zu sich nehmen. Eiswürfel stellen ein besonderes Risiko dar und auch die Zähne sollten nur mit Mineralwasser geputzt werden.29