2.2 Therapie von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

Die Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zielt in erster Linie darauf ab, eine Remission zu induzieren und zu verhindern, dass das intestinale Gewebe durch entzündliche Prozesse weiter geschädigt wird. Die Therapie richtet sich somit gegen die Entzündung und das pathologisch aktivierte Immunsystem.

2.2.1 Therapieschema bei Colitis ulcerosa

Bei Colitis ulcerosa richtet sich die Therapie nach der Schwere der Krankheit und danach, welche Darmabschnitte betroffen sind. Ist beispielsweise nur das Rektum betroffen, können Zäpfchen, Klysmen oder Rektalschäume angewendet werden. Eine systemische Therapie ist erforderlich, wenn die Krankheit auch in höher gelegene Darmabschnitte vorgedrungen ist.

Eine wichtige Wirkstoffklasse zur Behandlung der Colitis ulcerosa bilden die Aminosalicylate mit der wirksamen Komponente 5-Aminosalicylsäure (Mesalazin, 5-ASA). Es kann zwei bis vier Wochen dauern, bis sich erste Erfolge der Therapie einstellen. Die Abbildung 9 zeigt das Therapieschema bei Colitis ulcerosa.4

Abb. 9: Therapieschema bei Colitis ulcerosa nach Mutschler Arzneimittelwirkungen, 2013

2.2.2 Therapieschema bei Morbus Crohn

In der Therapie des Morbus Crohn kommen andere Wirkstoffe zum Einsatz, da 5-ASA bei dieser Erkrankung, die den gesamten Gastrointestinaltrakt betreffen kann, nicht ausreichend wirksam ist. Bei leichter bis mittlerer Aktivität ist Budesonid, ein synthetisches Glucocorticoid, das Mittel der ersten Wahl, bei Kolonbefall wird Sulfasalazin eingesetzt.4

Abb. 10: Therapieschema bei Morbus Crohn nach Mutschler Arzneimittelwirkungen, 2013

2.2.3 Remissionserhalt bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

Um die Remission einer CED so lange wie möglich zu erhalten, werden verschiedene Therapien eingesetzt, die sich – ebenso wie die Therapie des akuten Schubs – bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn unterscheiden.

Bei Colitis ulcerosa ist eine remissionserhaltende Therapie über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren angezeigt. Die Dauer der Therapie ist jedoch vom Arzt individuell abzuwägen. Das Risiko, ein Kolonkarzinom zu entwickeln, reduziert sich dadurch. Bei einem unkomplizierten Verlauf werden die folgenden Wirkstoffe zur Remissionserhaltung verwendet:

  • 5-ASA oral, 1–2 g/Tag; bei distalem Befall: 0,5–1,5 g/Tag als Suppositorien oder 1–4 g/Tag als Klysmen
  • falls 5-ASA unverträglich: E. coli Nissle oral, 200 mg/Tag

Nach einem komplizierten Verlauf, einem fulminanten Schub oder einer durch Ciclosporin oder Tacrolimus induzierten Remission werden die Wirkstoffe Azathioprin und 6-Mercaptopurin eingesetzt.4

Bei Morbus Crohn ist es unerlässlich, Raucher davon zu überzeugen, das Rauchen aufzugeben, da dies allein die Rezidivrate halbieren kann. Handelt es sich um einen komplexen Krankheitsverlauf, wird eine remissionserhaltende Therapie über mindestens vier Jahre empfohlen. Hierzu werden folgende Wirkstoffe eingesetzt:

  • Azathioprin, 2–2,5 mg/kg KG/Tag
  • 6-Mercaptopurin, 1–1,5 mg/kg KG/Tag
  • Methotrexat, 15 mg i. m./Woche + Infliximab, 5 mg/kg KG alle 8 Wochen4

2.2.4 Komplementäre Therapieoptionen

Colitis ulcerosa

Zu den komplementären (= ergänzenden) Therapieoptionen bei Colitis ulcerosa, die in der aktuellen S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (2018) genannt werden, gehören unter anderem Phytopharmaka:

  • Im Rahmen der remissionserhaltenden Behandlung:
    • Kombination aus Myrrhe, Kamillenblütenextrakt und Kaffeekohle
    • Plantago Ovata (Flohsamen)
  • Komplementär zu einem Aminosalicylat in der Remissionsinduktion und -erhaltung: Curcumin (2 x 1 g/Tag) > In Dtl. nur als Nahrungsergänzungsmittel im Handel!

Darüber hinaus können zur Verbesserung der Lebensqualität auch achtsamkeitsbasierte Verfahren zur Stressreduktion und Yoga eingesetzt werden sowie Akupunktur im leicht bis moderaten Schub.

Morbus Crohn

In der S3-Leitlinie Morbus Crohn werden nur wenige komplementäre Therapieverfahren erwähnt, unter anderem Akupunktur bei aktivem Morbus Crohn, ein pflanzliches Präparat mit Wermut (in Dtl. nicht erhältlich), Weihrauch (Boswellia serrata), Omega-3-Fettsäuren in magensaftresistenten Kapseln und Probiotika. Die Studienlage ist allerdings in vielen Fällen nicht ausreichend, um eine Wirksamkeit nachzuweisen.