1.3 Chronischer Durchfall bei Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom, auch irritables Kolon oder Colon irritable genannt, ist eine funktionelle Darmerkrankung und tritt in der Bevölkerung häufig auf: 40–50 % der Patienten mit gastrointestinalen Symptomen leiden an diesem Syndrom. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer.

Es handelt sich beim Reizdarm nicht um eine organische Darmerkrankung, sondern um eine Funktionsstörung mit einhergehenden Schmerzen. Bisher konnte nur eine Hypersensitivität für viszeralen Schmerz als ursächlich für das Reizdarmsyndrom identifiziert werden. Darüber hinaus verschlechtert sich die Erkrankung durch psychosomatische Störungen und Stress.4,5

Man unterscheidet drei Formen:

  • Die diarrhödominante Form ist durch breiige, wässrige Stühle gekennzeichnet und geht meist nicht mit Schmerzen einher.
  • Beim spastischen Kolon bzw. der obstipationsdominanten Form treten Schmerzen, Blähungen, Obstipation, schafkotartiger Stuhl und gelegentlicher Schleimabgang auf.
  • Die dritte Form ist eine Mischform, bei der die oben genannten Formen alternierend auftreten.5,12

Das Reizdarmsyndrom wird laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (2011) wie folgt definiert:

„Die Krankheit des Reizdarmsyndroms (RDS; Irritable Bowel Syndrome/IBS) liegt vor, wenn alle 3 Punkte erfüllt sind. [Starker Konsens]

  1. Es bestehen chronische, d.h. länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
  2. Die Beschwerden sollen begründen, dass der Patient deswegen Hilfe sucht und/oder sich sorgt und so stark sein, dass die Lebensqualität hierdurch relevant beeinträchtigt wird.
  3. Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich sind.“12

Die Definition zeigt, dass es sich bei der Diagnose Reizdarmsyndrom um eine Ausschlussdiagnose handelt.