Teil 1: Indikation Diarrhö und Ursachen

Der menschliche Darm hat eine Länge von sieben bis zehn Metern, ist jedoch aufgrund der angespannten Darmmuskulaturauf fünf Meter verkürzt.

Der Darm besteht aus Dünndarm und Dickdarm.Der Dünndarm beginnt nach dem Magenpförtner und endet mit der Einmündung in den Dickdarm durch diesogenannte Ileozökal-Klappe (Bauhin‘sche Klappe). Man unterscheidet drei Teile:

  • Duodenum = Zwölffingerdarm (25–30 cm = „zwölf Finger breit“)
  • Jejunum = Leerdarm
  • Ileum = Krummdarm

Im Dünndarm findet die Resorption der Nahrungsbestandteile statt. Deshalb ist die Schleimhautoberfläche in diesem Teil durch Falten, Krypten, Zotten und Mikrovilli stark vergrößert. Die ringförmigen Auffaltungen der Submukosa, die bis zu einen Zentimeter in das Darmlumen hineinragen, nennt man Kerckring´sche Falten. Die Zotten sind weitere Ausstülpungen in das Darmlumen (ca. 1 mm hoch, 0,1 mm Durchmesser), die Einsenkungen zwischen den Zotten werden Krypten genannt. Die Oberfläche wird weiter durch die Mikrovilli vergrößert,die auf eine effektive Resorption ausgerichtet sind. Diese sind winzige Ausstülpungen der Plasmamembran der Schleimhautzellen (ca. 3.000 pro Zelle). Insgesamt wird im Dünndarm eine Schleimhautoberfläche von über 120 m2 erreicht. Darüber hinaus sind zahlreiche Drüsen enthalten, die den Verdauungsprozess steuern.

Abb. 1: Dünndarm und Dickdarm im menschlichen Körper, © Henrie

Der Dickdarm schließt sich an den Dünndarm an und besteht aus folgenden Teilen:

  • Caecum mit Appendix vermiforis = Blinddarm mit Wurmfortsatz
  • Colon = Grimmdarm, bestehend aus:
    • aufsteigendem Dickdarm (Colon ascendens)
    • rechter Dickdarmkrümmung (Flexura coli dextra)
    • querem Dickdarm (Colon transversum)
    • linker Dickdarmkrümmung (Flexura coli sinistra)
    • absteigendem Dickdarm (Colon descendens)
    • S-förmigem Dickdarm (Colon sigmoideum)
  • Rectum = Mastdarm

Abb. 2: Schematische Darstellung der Zotten und Mikrovilli im Dünndarm, © reineg – stock.adobe.com

In diesem Darmabschnitt wird der Darminhalt eingedickt. Wasser und Salze, die mit den Verdauungssäften in den Darm gelangt sind, werden rückresorbiert. Die Dickdarmschleimhaut weist eine wesentlich geringere Oberflächenvergrößerung als die Schleimhaut des Dünndarms auf. Das Epithel besteht vor allem aus schleimbildenden Becherzellen. In der Dickdarmschleimhaut sind außerdem viele Lymphfollikel lokalisiert. Die unverdaulichen Nahrungsreste werden im Dickdarm durch Bakterien im Rahmen von Gärungs- und Fäulnisprozessen zersetzt.1

Durchfall (Diarrhö)

Durchfall (Diarrhö) ist definiert als ein „Ungleichgewicht zwischen Sekretion und Resorption im Darm“ (vgl. DEGAM S1-Handlungsempfehlung „Akuter Durchfall“, 2013).

Man spricht von Durchfall, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • ≥ 3 ungeformte Stühle innerhalb von 24 Stunden
  • Wassergehalt im Stuhl ≥ 75 Prozent
  • Stuhlgewicht ≥ 250 g

Es handelt sich meist um selbstlimitierende Krankheitsverläufe, die keine bleibenden gesundheitlichen Schäden hervorrufen. Durchfall wird als akut bezeichnet, wenn er bis zu 14 Tage andauert. Hält Durchfall länger als 14 Tage an, handelt es sich um chronische Verlaufsformen. Tritt Durchfall wiederholt auf, spricht man von rezidivierenden Verläufen.

Die Schweregrade der Symptomatik werden wie folgt eingeteilt:

Milde Symptomatik → keine körperlichen Einschränkungen

Moderate Symptomatik → Beeinträchtigungen von Alltagsaktivitäten

Schwere Symptomatik → schwere körperliche Beeinträchtigungen und akute Krankheitssymptome, die schwere Krankheitsverläufe vermuten lassen2

Begleitend zu Durchfall können Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl auftreten. Bei Säuglingen, Klein- und Schulkindern treten Durchfälle deutlich häufiger auf als bei Erwachsenen. Meist handelt es sich dabei um Infektionen oder Substanzunverträglichkeiten. 40 % der infektiös bedingten Durchfälle werden bei Kleinkindern bis fünf Jahren durch Rotaviren verursacht.3