2.2 Arzneimittelwechselwirkungen im Rahmen der Selbstmedikation

Bei der Abgabe apothekenpflichtiger Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation tragen Apothekenmitarbeiter eine hohe Verantwortung und müssen insbesondere auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder bestimmten Nahrungsmitteln achten. Die Frage, welche Mittel noch zusätzlich eingenommen werden, darf daher bei keinem Beratungsgespräch fehlen.

Auswahl (vorsichtshalber) kontraindizierter Kombinationen mit OTC-Arzneimitteln:2,5

Analgetika

  • Acetylsalicylsäure + Cumarine ➔ Verstärkte Blutgerinnungshemmung, Blutungsgefahr
  • Phenazon + Clozapin ➔ Risiko für Knochenmarksschäden und Agranulozytose
  • Naratriptan/Almotriptan + Dapoxetin/Mutterkornalkaloide/andere Triptane ➔ Verstärkte Vasokonstriktion, Blutdrucksteigerung

Antazida/Protonenpumpenhemmer

  • Polyvalente Kationen in Antazida + L-Thyroxin/Bisphosphonate/Antibiotika (z. B. Gyrasehemmer, Tetracycline) ➔ Komplexbildung, dadurch verminderte Bioverfügbarkeit sowie Wirkung
  • Omeprazol/Pantoprazol + Rilpivirin/HIV-Protease-Inhibitoren ➔ Beeinträchtigte Resorption der HIV-Therapeutika
  • Omeprazol + Clopidogrel (Prodrug) ➔ Umwandlungshemmung zum aktiven Metaboliten, dadurch beeinträchtigte Wirksamkeit des thrombozytenaggregationshemmenden Effektes von Clopidogrel

„Die Frage, welche Mittel noch zusätzlich eingenommen werden, darf daher bei keinem Beratungsgespräch fehlen.”

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Antidiarrhoika

  • Loperamid + Quellmittel ➔ Erhöhtes Risiko für einen Darmverschluss
  • Loperamid + P-Glykoprotein-Inhibitoren (vgl. Punkt 1.5) ➔ Verhinderte Exkretion von Loperamid, gegebenenfalls toxische Konzentrationen im ZNS (bei Missbrauch!)
  • Trockenhefe + nichtselektive MAO-Hemmer ➔ Blutdrucksteigerung, Gefahr einer hypertensiven Krise

Antimykotika

  • Miconazol als Mundgel + Mutterkornalkaloide/Statine/Carbamazepin/ Triazolam/Midazolam/orale Antikoagulantien ➔ Bioverfügbarkeit steigt durch CYP-hemmende Wirkung von Miconazol, erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen

Antitussiva

  • Dextromethorphan + MAO-Hemmer/Dapoxetin ➔ Additive serotonerge Wirkung, erhöhtes Risiko für Serotoninsyndrom
  • Dextromethorphan + Alkohol ➔ Verstärkte Sedierung, verringerte Reaktionsfähigkeit

Laxantien

  • Indische Flohsamen + darmbewegungshemmende Stoffe (Loperamid, Opiumtinktur) ➔ Erhöhtes Risiko für einen Darmverschluss

Rhinologika

  • Pseudoephedrin + MAO-Hemmer ➔ Verstärkte Sympathikuswirkung, Blutdrucksteigerung

Sedativa/Antidepressiva

  • Doxylamin/Diphenhydramin + MAO-Hemmer ➔ Verstärkte anticholinerge und zentral dämpfende Wirkung
  • Diphenhydramin + Alkohol ➔ Verstärkte Sedierung, verringerte Reaktionsfähigkeit
  • Diphenhydramin + Arzneimittel, die zu Hypokaliämie führen (Schleifendiuretika, wie z. B. Furosemid) ➔ Erhöhtes Risiko für eine Hypokaliämie mit Gefahr für Herzrhythmusstörungen
  • Johanniskrautextrakt + zahlreiche Substrate von CYP-Enzymen und P-Glykoproteinen ➔ Induktion einiger CYP-Enzyme und P-Glykoproteine, dadurch verringerte Wirksamkeit der anderen Arzneistoffe (z. B. Digoxin, Methadon, Immunsuppressiva, HIV-Therapeutika, Zytostatika, Antikoagulantien, hormonelle Empfängnisverhütungsmittel wie Estrogene, Gestagene); außerdem kann es auch zur Konzentrationserhöhung körpereigener Substanzen kommen, etwa von Serotonin und damit einhergehend zu einer erhöhten Gefahr für das Serotoninsyndrom, z. B. in Kombination mit bestimmten Antidepressiva bzw. SSRI (Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin) und SSNRI (Duloxetin, Venlafaxin)