1.5 Wechselwirkungen aufgrund aktiver Transportsysteme

In Geweben mit Ausscheidungs- und Barrierefunktion (z. B. Epithelzellen des GIT, Leberzellen, Tubuluszellen der Nieren, Plazenta, Blut-Hirn-Schranke) finden sich aktive Transportsysteme, die durch aktive Aufnahme oder Abtransport die Bioverfügbarkeit von Arzneistoffen beeinflussen können.

Das Membranprotein P-Glykoprotein (ein sogenannter ABC-Transporter) ist dabei das am besten charakterisierte Transportsystem für Arzneistoffe. Es pumpt aktiv Fremdstoffe aus der Zelle in den extrazellulären Raum und wird vor allem in den Zellen der Blut-Hirn-Schranke exprimiert. Unter anderem sorgt es dafür, dass Loperamid – ein Opioidrezeptoragonist zur Diarrhöbehandlung – nur die peripheren Opioidrezeptoren des Darms erreicht und nicht die zentralen Opioidrezeptoren, da es im ZNS sofort wieder ausgeschleust wird.

Einige Arzneistoffe können das P-Glykoprotein hemmen (sogenannte Inhibitoren) und somit zum Beispiel eine ZNS-Gängigkeit ermöglichen bzw. die Verteilung bestimmter Stoffe erhöhen. Umgekehrt können P-Glykoprotein-Induktoren die Barrierefunktion verstärken und damit die Elimination bestimmter Stoffe begünstigen.

„Das Membranprotein P-Glykoprotein (ein sogenannter ABC-Transporter) ist dabei das am besten charakterisierte Transportsystem für Arzneistoffe.”

  • P-Glykoprotein-Inhibitoren sind z. B. Amiodaron, Azithromycin, Captopril, Chinidin, Ciclosporin, Clarithromycin, Ketoconazol, Piperin, Quercetin, Reserpin, Ritonavir, Verapamil sowie Nahrungsmittel wie Grapefruitsaft oder Grüner Tee.2,4
  • P-Glykoprotein-Induktoren sind z. B. Dexamethason, Doxorubicin, Johanniskraut, Phenobarbital, Rifampicin, Trazodon.2,4