1.3 Allgemeine Hinweise zur Pharmakokinetik

Unter der Pharmakokinetik wird die Wirkung des Körpers auf Pharmaka verstanden. Das Pharmakon gelangt nach der Applikation ins Blutplasma (unmittelbar durch intravasale Injektion oder durch Resorption) und wird durch das Blut im Körper verteilt. Der Prozess des Eintritts in den Körper und die Verteilung (durch das Blut) werden als Invasion bezeichnet. Die Elimination von Pharmaka erfolgt durch metabolische Umwandlung (Biotransformation) und/oder Ausscheidung (Exkretion). Der Verlauf der Konzentration am Wirkort ist das Ergebnis von Invasion und Elimination. Alle Faktoren, die diese beiden Prozesse beeinflussen, können daher auch einen Einfluss auf die Wirkung des Wirkstoffs haben. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Fähigkeit eines Wirkstoffs, biologische Membranen zu durchdringen (Permeabilität). Beispielsweise sind die Kapillaren des Gehirns für hydrophile Moleküle, die größer als Harnstoff sind, nahezu nicht passierbar (Blut-Hirn-Schranke). Vom Blut aus wird das Gehirn daher in der Regel lediglich von lipophilen Pharmaka erreicht.

„Unter der Pharmakokinetik wird die Wirkung des Körpers auf Pharmaka verstanden.”

Pharmakokinetik und Arzneistoffdosierung

Die Pharmakokinetik hat die wichtige Aufgabe zu bestimmen, welche Dosis notwendig ist, um eine therapeutisch wirksame Plasmakonzentration eines Arzneistoffs zu erreichen und beibehalten zu können. Bei der Sättigungsdosis handelt es sich um die Dosis, die notwendig ist, um eine bestimmte therapeutische Konzentration zu erreichen. Die Dosis, mit der eine therapeutisch wirksame Konzentration aufrechterhalten werden kann, wird als Erhaltungsdosis bezeichnet. In der Praxis wird in vielen Fällen jedoch auf die Gabe einer Sättigungsdosis verzichtet und die Therapie beginnt mit der Erhaltungsdosis.

Da die individuellen pharmakokinetischen Parameter eines Patienten für gewöhnlich nicht bekannt sind, dienen Werte aus der Literatur bei der Dosisfindung als Orientierung. Dabei kann es zu erheblichen Abweichungen zwischen den gewünschten und den erzielten Plasmakonzentrationen kommen. Dies ist vor allem bei Pharmaka mit einer geringen therapeutischen Breite von großer Wichtigkeit (beispielsweise: Herzglykoside, orale Antikoagulantien sowie viele Antiarrhythmika und Antiepileptika).

Eine Anpassung der Dosis kann durch die Messung der Plasmakonzentration erreicht werden. Sinnvoll ist dies allerdings nur, wenn ein bereits festgelegter Bereich wirksamer Plasmakonzentrationen besteht. Unter anderem bei Antihypertensiva und Antikoagulantien sind Konzentrationsmessungen für gewöhnlich nicht notwendig, da der Effekt direkt auf einfache Art und Weise gemessen werden kann. Eine individuelle Dosis lässt sich in der Regel folgendermaßen ermitteln: Einem Patienten wird zunächst eine Dosis verabreicht und anschließend wird die Plasmakonzentration bestimmt. Der gemessene Wert wird daraufhin mit dem Wert verglichen, der theoretisch zu erwarten ist.3