1.2 Pharmakodynamische Wechselwirkungen

Diese sind charakterisiert durch eine Wirkverstärkung (Synergismus) bzw. -abschwächung (Antagonismus) aufgrund von Interaktionen:

  • direkt am gleichen Zielmolekül/Rezeptor (kompetitiv) oder
  • indirekt am gleichen oder auch unterschiedlichen Erfolgsorgan/Regelkreislauf (funktionell)

Ein kompetitiver Synergismus liegt demnach vor, wenn mindestens zwei Substanzen durch einen Angriff bzw. eine Wirkung an einem gemeinsamen Rezeptor zu einem stärkeren Effekt führen als jeder dieser Stoffe alleine (additiver Effekt). Beispiele:

  • Verstärkung der neuromuskulären Blockade der Muskelrelaxantien bis hin zur Atemlähmung bei gleichzeitiger Gabe von peripher angreifenden Muskelrelaxantien und Aminoglykosid-Antibiotika
  • Verstärkte Hemmung der Serotoninaufnahme und dadurch verursachte Überstimulation von Serotoninrezeptoren im ZNS bis hin zum Serotoninsyndrom bei gleichzeitiger Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Johanniskrautextrakt

Ein kompetitiver Antagonismus liegt vor, wenn mindestens zwei Substanzen am gleichen Rezeptor reversibel oder auch irreversibel binden und damit den jeweils anderen Interaktionspartner verdrängen, sodass es folglich zu einer ausbleibenden bzw. verminderten Wirkung des verdrängten Stoffes kommt.

Beispiele:

  • Abschwächung der kardioprotektiven Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS 100 mg) durch sterische Hemmung der COX-Bindung bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen
  • Aufhebung der analgetischen und atemdepressiven Wirkung von Opioidanalgetika durch Naloxon oder Naltrexon (Antidot)

Kommt es zu einer Wirkverstärkung durch Effekte mehrerer Stoffe an unterschiedlichen Angriffspunkten im Organismus, spricht man von einem funktionellen Synergismus. Beispiele:

  • Verstärkung des hypoglykämischen Effekts von Insulin oder Sulfonylharnstoffen durch Sympatholytika
  • Verstärkung der Wirkung von herzwirksamen Glykosiden durch Schleifenund Thiaziddiuretika (vermehrte Kaliumausscheidung)

Werden die Effekte der Interaktionsstoffe dadurch geschwächt, dass sie an unterschiedlichen Rezeptoren bzw. Systemen angreifen, spricht man von einem funktionellen Antagonismus. Beispiele:

  • Schwächung der Wirkung von herzwirksamen Glykosiden durch kaliumsparende Diuretika
  • Schwächung der antikoagulativen Wirkung der Cumarin-Derivate durch Estrogene