Zu Beginn des Beratungsgesprächs ist zu klären, für wen das Arzneimittel bestimmt ist. Es kann mitunter vorkommen, dass die Betroffenen wegen zu starker Beschwerden eine andere Person in ihrem Auftrag in die Apotheke schicken. Zudem sollten das Alter und andere Begleitumstände, z. B. eine Schwangerschaft, mit einbezogen werden.

3.1.1 Für wen ist das Arzneimittel?

  • Alter
  • Begleitumstände, (z. B. Schwangerschaft/Stillzeit)
  • Geschlecht

3.1.2 Hinterfragen der Eigendiagnose

  • Welche Beschwerden liegen vor?
  • Seit wann liegen die Beschwerden vor?
  • Wie häufig treten die Beschwerden auf?
  • Weitere Begleitsymptome?

Bei einer akuten Reizung der Blase einhergehend mit den typischen Symptomen Algurie/Dysurie, Pollakisurie und imperativer Harndrang sowie einer Beschwerdedauer unter fünf Tagen ist eine Selbstmedikation möglich. Sollten sich die Beschwerden verschlimmern oder nach fünf Tagen keine Besserung eingetreten sein, muss ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Treten die Infekte dreimal oder häufiger pro Jahr auf oder sind sie zweimal oder häufiger innerhalb der letzten sechs Monate aufgetreten, handelt es sich um einen rezidivierenden Harnwegsinfekt, der zunächst von einem Arzt betreut werden sollte.

3.1.3 Weitere Fragen:

  • Wurden die Beschwerden schon ärztlich abgeklärt?
  • Welche Erfahrungen wurden ggf. mit bestimmten Arzneimitteln gemacht?
  • Liegen andere Erkrankungen vor?
  • Welche Arzneimittel werden regelmäßig angewendet?

Wurden die Beschwerden schon ärztlich abgeklärt, kann gegebenenfalls eine begleitende Therapie mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln empfohlen werden. Außerdem ist zu beachten, dass bestimmte Medikamente (z. B. Diuretika) den Harndrang beeinflussen können. Patienten mit einem Diabetes mellitus sollten immer an einen Arzt verwiesen werden, da Harnwegsinfektionen bei Diabetes und instabiler Stoffwechsellage als kompliziert einzustufen sind. Bei Diabetespatienten mit stabiler Stoffwechsellage gelten akute Harnwegsinfektionen zwar als unkompliziert, diese Einschätzung sollte jedoch dem Arzt überlassen werden. [3], [7], [35], [36]

3.1.4 Grenzen der Selbstmedikation bei Harnwegsinfektionen im Überblick: [7]

  • Erstmalig auftretende akute Blasenreizung
  • Chronische Reizblase
  • Dauer der Beschwerden über mehr als fünf Tage
  • Häufig rezidivierende Beschwerden
  • Symptome: starke, krampfartige Schmerzen bei Harndrang (Tenesmen) und Wasserlassen; veränderter Geruch oder Farbe des Urins; Fieber > 39 °C; Flankenschmerzen; Übelkeit und Erbrechen → Hinweise auf Infektion der oberen Harnwege (Pyelonephritis) bzw. Differentialdiagnosen
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Männer
  • Stoffwechselerkrankungen, z. B. Diabetes mellitus

3.1.5 Auswahl und Beurteilung des Arzneistoffs und des Fertigarzneimittels

Das Arzneimittel ist nach pharmakologisch-toxikologischen Kriterien entsprechend der Beschwerden und der Wirksamkeit des Arzneistoffs auszuwählen. Dabei sind die patientenspezifischen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Allergien, Überempfindlichkeiten, andere Erkrankungen und Nebenwirkungen des jeweiligen Arzneistoffs miteinzubeziehen. Weitere Kriterien sind die Anzahl der Inhaltsstoffe, Dosierung, Darreichungsform und Packungsgröße.

3.1.6 Informationen zum Arzneimittel

Bei jeder Abgabe eines Arzneimittels ist der Patient ausreichend über dieses zu informieren. Folgende Punkte sollten angesprochen werden:

  • Standarddosierung
  • Anwendung
  • Anwendungsdauer
  • Wirkung und Nutzen des Arzneimittels
  • Häufige und relevante unerwünschte Arzneimittelwirkungen
  • Warnhinweise
  • Grenzen der Selbstmedikation [35]

3.1.7 Unterstützende Maßnahmen bei Harnwegsinfekten

Zusätzlich zur Einnahme eines Antibiotikums bzw. anderer Arzneimittel kann der Patient bei einer Harnwegsinfektion von unterstützenden Maßnahmen profitieren: [7]

  • Wärmeanwendungen: Wärmflasche, ansteigende Sitz- oder Fußbäder
  • Ausreichend trinken, mind. 1,5 Liter pro Tag
  • Regelmäßige und vollständige Blasenentleerung
  • Unterkühlung vermeiden, ausreichend warme Kleidung
  • Hinreichende Hygiene, aber keine übermäßige Intimpflege (Intimsprays und Scheidenspülungen meiden, nach dem Toilettengang von vorne nach hinten abwischen)
  • Miktion nach Koitus
  • Kontrolle des Urins mit Teststreifen auf Nitrit und Leukozyten bzw. auf den pH-Wert