Abschwellende Nasenpräparate, auch Dekongestiva genannt, enthalten Wirkstoffe aus der Gruppe der α-Sympathomimetika. Neben Phenylephrin werden vor allem Imidazol-Derivate wie z. B. Xylometazolin eingesetzt.

α-Sympathomimetika führen durch Bindung an adrenerge α-Rezeptoren zu einer Erregung des sympathischen Nervensystems. Sie ähneln in ihrer Wirkung damit körpereigenen Botenstoffen wie Adrenalin. An glatten Muskelzellen bewirkt die Erregung von α-Rezeptoren eine Erhöhung der intrazellulären Calcium- Ionen-Konzentration und damit eine Muskelkontraktion. In die Nase eingebracht führen α-Sympathomimetika zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur der Schleimhautgefäße und damit zur Vasokonstriktion (Verengung der Gefäße). Die Nasenschleimhaut wird weniger durchblutet und schwillt folglich ab.

Abb. 6 α-Sympathomimetika zur lokalen Anwendung

Die Wirkung tritt sehr schnell ein und hält mehrere Stunden an. Der Patient kann wieder frei durch die Nase atmen. Zudem werden auch die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen und dem Mittelohr befreit, sodass diese wieder belüftet werden und vorhandenes Sekret abfließen kann. Der Einsatz von α-Sympathomimetika trägt damit entscheidend zur Vermeidung von Komplikationen bei.

Generell sind α-Sympathomimetika bei lokaler Anwendung gut verträglich. Als lokale Nebenwirkungen können ein Brennen in der Nase sowie eine Trockenheit der Nasenschleimhaut auftreten. Bei längerem Gebrauch (mehr als zehn Tage) kann das sog. Rebound-Phänomen auftreten, bei dem die Nasenschleimhaut nach Anwendung des abschwellenden Mittels verstärkt anschwillt, sobald die Wirkung des Arzneimittels nachlässt. Das kann zu einem Teufelkreis aus wiederholter Anwendung des abschwellenden Mittels und anschließender erneuter Blutansammlung (Kongestion) in den Schleimhäuten führen, sodass es letztlich zu einer Rhinits medicamentosa mit dauerhafter Schädigung der Nasenschleimhäute kommen kann (siehe Modul 1).

Um diese Komplikationen zu vermeiden, dürfen α-Sympathomimetika nicht länger als sieben Tage angewendet werden. Bei dieser Anwendungsdauer sind keine dauerhaften funktionellen oder morphologischen Veränderungen der Nasenschleimhaut zu erwarten.

Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) dürfen α-Sympathomimetika nicht angewendet werden, da sie unerwünschte Nebenwirkungen auf das Herz- Kreislauf-System, wie z. B. ein Blutdruckanstieg oder ein beschleunigter Herzschlag, haben können.

Orale Sympathomimetika

Sympathomimetika werden auch oral eingesetzt, z. B. Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin, die als indirekte Sympathomimetika über eine Erhöhung der Neurotransmitterkonzentration an den Rezeptoren wirken, sowie das direkt wirksame α-Sympathomimetikum Phenylephrin. Man findet sie überwiegend in Kombinationspräparaten zur gleichzeitigen Behandlung verschiedener Erkältungssymptome. In der gezielten Behandlung der akuten Rhinitis haben die lokalen α-Sympathomimetika den weitaus größeren Stellenwert.