Neben der akuten Rhinitis gibt es noch eine ganze Reihe anderer entzündlicher Erkrankungen der Nasenschleimhaut. Obwohl der Fokus dieser Fortbildung auf der akuten Rhinitis liegt, sollen diese kurz dargestellt werden.

Allergische Rhinitis

Bei der allergischen Rhinitis handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Allergene, wie z. B. Pollen. Kommt die Nasenschleimhaut mit diesen in Kontakt, kommt es zu einer Immunglobulin E- und mastzellvermittelten allergischen Sofortreaktion. Typische Symptome sind Juckreiz, Niesen, wässrige Sekretion und nasale Obstruktion.

Um der Problematik dauerhaft beizukommen, sollte die Therapie wenn möglich kausal erfolgen, etwa durch eine Hyposensibilisierung. Ist eine kausale Therapie nicht möglich, können die Beschwerden durch eine symptomatische Therapie, z. B. mit oralen Antihistaminika, gelindert werden. Auch die lokale Anwendung von Kortikosteroiden beispielsweise mit dem Wirkstoff Mometasonfuroat ist eine meist wirksame Option. Zur Linderung einer starken akuten Symptomatik können kurzfristig auch abschwellende Mittel eingesetzt werden.

Vasomotorische Rhinitis

Die vasomotorische oder idiopathische Rhinitis entspricht in ihrer Symptomatik weitestgehend der allergischen Rhinitis, es lassen sich aber keine Allergene oder spezifische Antikörper nachweisen. Offenbar handelt es sich um eine Überempfindlichkeit der Nasenschleimhaut, die sich durch Juck- und Niesreiz, eine erhöhte Sekretion und nasale Obstruktion äußert. Auslöser für die anfallsartig auftretenden Symptome können z. B. rasche Temperaturwechsel, mechanische Irritationen, chemische Reize, Stress oder Medikamente sein.

In der Therapie werden vor allem topische Kortikosteroide und Antihistaminika eingesetzt. Kurzfristig können auch abschwellende Mittel eingesetzt werden, wenn das Hauptproblem in einer nasalen Obstruktion liegt.

Chronische Rhinitis

Die chronische Rhinitis ist ein Sammelbegriff für verschiedene chronische Entzündungszustände der Nasenschleimhaut, die mit einer Volumenzunahme der Schleimhaut einhergehen. Leitsymptome sind eine behinderte Nasenatmung und die Sekretion von zähem, schleimigem, farblosem Sekret.

Als Ursache kommen verschiedene Faktoren in Frage, z. B. rezidivierende akute Entzündungen, die allmählich zu einer irreversiblen Schleimhautschädigung führen, vasomotorische Störungen der Schleimhaut, chronische Reize wie Tabakrauch, Staub oder Chemikalien, endokrine Störungen, z. B. der Schilddrüse oder Nebennieren, Diabetes, oder Medikamentennebenwirkungen.

Ist die Ursache bekannt, ist eine Vermeidung der auslösenden Faktoren die beste Therapie. Andernfalls kann eine symptomatische Therapie, z. B. mit salzhaltigen Nasensprays, durchgeführt werden. Da abschwellende Präparate nur kurzzeitig angewendet werden dürfen, sind sie bei chronischen Formen der Rhinitis nicht das Mittel der Wahl. Sie sollten, wenn überhaupt, nur kurzfristig bei starker akuter Symptomatik eingesetzt werden. Bei erfolglosen Therapieversuchen kann ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden.

Rhinitis sicca

Bei der Rhinitis sicca handelt es sich ebenfalls um eine chronische Entzündung der Nasenschleimhaut, die im Gegensatz zur chronischen Rhinitis vor allem mit einem Trockenheitsgefühl in der Nase und Symptomen wie Juckreiz, Brennen, Krusten-, Schorf- und Borkenbildung einhergeht. Von einer „Trockennase“ sind Berufsgruppen mit starker Staubbelastung, z. B. Bäcker, besonders häufig betroffen. Aber auch Raucher, Allergiker und Patienten nach Nasenoperationen oder Radiotherapie zählen zu den Risikogruppen.

Therapeutisch stehen die Vermeidung auslösender Faktoren sowie schleimhautprotektive Mittel im Vordergrund. Geeignet ist z. B. die Anwendung dexpanthenol- oder ölhaltiger Nasenpräparate.

Toxisch-irritative Rhinopathie

Als toxisch-irritative Rhinopathien werden unspezifische Schleimhautschädigungen bezeichnet, die durch toxische Substanzen am Arbeitsplatz oder in der Umwelt verursacht werden. Zu Beginn zeigt sich als Symptom häufig eine Rhinorrhoe. Bei weiterer Schadstoffeinwirkung kommt es allerdings zum Austrocknen der Nasenschleimhaut und zur Borkenbildung. Bei akuten Beschwerden kann das Spülen der Nase mit einer physiologischen Kochsalzlösung zur Entfernung der Schadstoffe und eine anschließende Schleimhautpflege empfohlen werden. Um die Beschwerden langfristig zu bessern, muss jedoch die Schadstoffexposition reduziert werden.

Schwangerschaftsrhinopathie

Von einer hormonellen Rhinopathie oder Schwangerschaftsrhinitis spricht man, wenn während der letzten sechs Monate der Schwangerschaft eine Behinderung der Nasenatmung auftritt, die auf keine andere Ursache zurückzuführen ist. Die nasale Obstruktion geht mit einer wässrigen Sekretion einher. Nach der Geburt klingen die Symptome wieder ab. Man geht davon aus, dass bei ca. 15–20 % aller Schwangeren eine Schwangerschaftsrhinopathie auftritt. [4] Ursächlich spielen Einflüsse von Östrogen auf die Nasenschleimhaut eine Rolle, die zu entzündlichen Veränderungen führen. Hormonspiegelschwankungen, z. B. aufgrund von Hormontherapien, können daher ebenfalls eine hormonelle Rhinopathie auslösen. Auch andere endokrine Störungen, wie beispielsweise eine Hypothyreose oder Akromegalie, können zur Entstehung einer hormonellen Rhinopathie führen.

Ozaena (Rhinitis atrophicans)

Bei der Ozaena (Synonym: Rhinitis atrophicans) handelt es sich um eine chronische, degenerative Erkrankung der Nasenschleimhäute mit unklarer Ätiologie. Man unterscheidet zwei Formen: die primäre Ozaena tritt überwiegend bei Mädchen in der Pubertät auf, die sekundäre Ozaena ist hingegen meist eine Folge von Operationen und/oder einer Strahlentherapie im Bereich der Nase oder Nasennebenhöhlen. Kennzeichen der Erkrankung ist ein Absterben der schleimproduzierenden Becherzellen im Flimmerepithel der Nasenschleimhaut. Folge ist eine Eintrocknung des Nasensekrets und die Bildung von Borken in der Nasenhöhle. Im feuchtwarmen Milieu der Nase stellen diese einen idealen Nährboden für verschiedene Keime dar, deren Zersetzungsprozesse einen fauligen Geruch bewirken („Stinknase“). Wie bei der Rhinitis sicca ist eine therapeutische Befeuchtung der Nasenschleimhaut wichtig, um die weitere Borkenbildung und Ansammlung von Keimen zu verhindern. Vorhandene Borken können mithilfe von Nasenspülungen entfernt werden.

Rhinitis medicamentosa

Unter einer Rhinitis medicamentosa versteht man eine durch Medikamente verursachte reversible oder irreversible Schädigung der Nasenschleimhaut. Häufigster Grund ist der Missbrauch von abschwellenden Nasensprays oder -tropfen. [13] Diese enthalten als Wirkstoffe sogenannte α-Sympathomimetika, die die α-Rezeptoren der Blutgefäße stimulieren, die sich daraufhin verengen (siehe Modul 2). Folglich wird die Nasenschleimhaut weniger durchblutet und schwillt ab. Aufgrund der schnellen und effektiven Wirkung ist der kurzfristige Einsatz abschwellender Substanzen zur Behandlung akuter Beschwerden äußerst sinnvoll. Bei längerer Anwendung tritt jedoch ein kontraproduktiver Effekt auf, der als Rebound-Phänomen bezeichnet wird: Sobald die Wirkung des Arzneimittels nachlässt, kommt es zu einer erneuten, verstärkten Schleimhautanschwellung, die zu einer wiederholten Anwendung des abschwellenden Mittels verleitet. Dadurch kann es zu einer Daueranwendung und schließlich zu einer Abhängigkeit von abschwellenden Nasenpräparaten kommen. Wird dieser Teufelskreis nicht rechtzeitig unterbrochen, entwickelt sich eine Rhinitis medicamentosa mit ausgetrockneten und unter Umständen irreversibel geschädigten Schleimhäuten. Die Schäden zeigen sich in einer eingeschränkten Zilientätigkeit, sodass die mukoziliäre Clearance nicht optimal funktioniert und damit eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen besteht.

Mögliche Auslöser einer Rhinitis medicametosa können auch Konservierungsmittel sein, die in vielen Nasenpräparaten enthalten sind (siehe Modul 2).