Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen der medikamentösen Tumortherapie. Trotz einer leitliniengerechten Therapie tritt bei ca. 20–30 % der Patienten während der Chemotherapie Erbrechen auf. Die Inzidenz und Intensität von Übelkeit und Erbrechen sind bei der Strahlentherapie nicht so stark ausgeprägt wie bei der Chemotherapie.3

Bei einer Strahlen- bzw. Chemotherapie werden drei Phasen von Übelkeit und Erbrechen unterschieden:

  • Akut: Auftreten in den ersten 24 Stunden nach Beginn der Chemotherapie
  • Verzögert: Auftreten mehr als 24 Stunden nach Beginn der Tumortherapie und Dauer bis zu 5 Tage
  • Antizipatorisch: Auftreten ab dem 2. Zyklus, vor jeweiligem Therapiebeginn; aufgrund einer klassischen Konditionierung durch externe oder psychische Faktoren (Geruch, Geschmack, visuelle Eindrücke, psychische Faktoren)4

Symptome

Zu den Symptomen gehören Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen. Die Intensität wird nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) in vier Schweregrade klassifiziert:

Entstehung

Für die Entstehung von Übelkeit und Erbrechen sind verschiedene Neurotransmitter, Substanz P, Serotonin und entsprechende Rezeptoren verantwortlich. Die Anamnese findet vor und nach jedem Therapiezyklus statt: vor Beginn eines neuen Therapiezyklus und bei Dauertherapie in regelmäßigen Abständen.

Chemotherapeutika bzw. Zytostatika stimulieren die Freisetzung von Serotonin aus den enterochromen Zellen des Dünndarms (Abb. 3). Anschließend aktiviert Serotonin 5-HT3- Rezeptoren auf vagalen (den Nervus vagus betreffend) afferenten Nervenfasern im gastrointestinalen Trakt. Diese Nervenfasern übertragen die Reize an den Hirnstamm, der den Brechreiz verarbeitet und efferente Signale an Organe und Gewebe sendet, um ein Erbrechen auszulösen. Darüber hinaus können Chemotherapeutika auch direkt zentrale 5-HT3-Rezeptoren im Hirnstamm stimulieren. Die Aktivierung der Neurokinin-1(NK1)-Rezeptoren durch Substanz P im Hirnstamm wird mit dem Auslösen der verzögerten Emesis in Zusammenhang gebracht.5

EXKURS: Emetogenes Potential parenteraler antineoplastischer Substanzen

Bestimmte Substanzen haben ein höheres Potential, Übelkeit und Erbrechen hervorzurufen, als andere. Zu den Substanzen, die ein hoch emetogenes Potential haben (d. h., wenn über 90 % der Patienten, ohne Durchführung einer antiemetischen Prophylaxe, an Erbrechen leiden), gehören zum Beispiel Anthrazyklin/Cyclophosphamid in Kombination, Carmustin, Cisplatin, Cyclophosphamid (in einer Konzentration ≥ 1.500 mg/m2), Dacarbazin, Mechlorethamin und Streptozotocin.3

Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen begünstigen. Hier wird zwischen therapieabhängigen und patientenabhängigen Faktoren unterschieden.