Hauttoxizität

Da auch Hautzellen zu den Zellen gehören, die sich schnell teilen, kann die Tumortherapie auch hier einen Einfluss haben. Es kann zu Nebenwirkungen kommen, die das Erscheinungsbild beeinflussen und von den Patienten oft als unangenehm empfunden werden und die Lebensqualität beeinträchtigen: Hauttoxizitäten.

1. Akneiformes Exanthem

Das akneiforme Exanthem, auch Rash genannt, wird häufig beim Einsatz von epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor-EGFR(HER1,ErbB1)-gerichteten Tumortherapien (EGFR-Inhibitoren) beobachtet, wie z. B. bei Cetuximab und Panitumumab. Es handelt sich um einen Wirkstoffklassen- Effekt. Hierbei treten Pusteln und Papeln im Gesicht, an der Kopfhaut sowie im oberen Brust- und Rückenbereich auf.3

Das Erscheinungsbild des akneiformen Exanthems ist abhängig von der Therapiedauer. So ist es möglich, dass sich lokale Erytheme bilden oder aber generalisierte papulopustulöse Exantheme bis hin zu einem Pruritus, schmerzhaften Fissuren an den Fingerkuppen und Zehen, Nagel- und Nagelbettveränderungen sowie Haut- und Wimpernveränderungen. Das akneiforme Exanthem tritt meist an lichtexponierten Stellen des Körpers auf.

Nach Absetzen der Tumortherapie tritt nach ungefähr vier bis sechs Wochen die Ausheilung ein.3

2. Alopezie

Haarausfall (Alopezie) kann beim Einsatz verschiedener Zytostatika bzw. Chemotherapeutika auftreten. Chemotherapie-induzierter Haarausfall (CIA) ist eine der häufigsten Nebenwirkungen und für die betroffenen Patienten emotional sehr belastend.

Bei der CIA kommt es zu einem akuten Ausfall der Haare, die sich in der Wachstumsphase befinden, und tritt wenige Wochen nach Therapiebeginn auf. Die Haare wachsen oft schon innerhalb weniger Wochen nach Beenden der Tumortherapie nach und können sich in Farbe und Struktur von der ursprünglichen Behaarung unterscheiden.

Patientenabhängige Faktoren spielen beim Auftreten von Alopezie keine Rolle. Die Inzidenz ist abhängig vom eingesetzten Zytostatikum bzw. der eingesetzten Zytostatika-Kombination, vom Applikationsweg, von der Dosis sowie von der Halbwertszeit des Arzneimittels.

Wirkstoffe, unter denen es häufig zu Alopezie kommt, sind z. B. Cyclophosphamid, Doxorubicin, Epirubicin, Docetaxel oder auch Paclitaxel.3

3. Hand-Fuß-Syndrom

Das Hand-Fuß-Syndrom (HFS) ist klinisch definiert durch schmerzhafte erythematöse Läsionen in den Handflächen und an den Fußsohlen. Die ersten Anzeichen treten innerhalb der ersten Therapiewochen auf.

Das HFS lässt sich in verschiedene Stadien einteilen. Zuerst tritt ein Missempfinden in den Handflächen und Fußsohlen auf. Danach kann es zu brennenden Schmerzen und Erythembildung, teilweise mit ödematösen Schwellungen, an den betroffenen Stellen kommen. Diese Schwellungen können in Blasenbildung, Loslösung der Hornschicht mit anschließenden Ulzerationen oder auch Erosionen übergehen. Auch keratodermartige Verdickungen der Hornschicht werden beobachtet. In besonderen Fällen sind auch Hand- und Fußrücken, Stellen enganliegender Kleidung sowie Areale, die mechanischer Belastung ausgesetzt sind, betroffen.

Nach Beendigung der Therapie klingen die Beschwerden nach wenigen Wochen ab und verheilen. Die Heilung kann mit einer Schuppung einhergehen.3

4. Nagelveränderungen

Bestimmte Zytostatika (z. B. Taxane und EGF-Rezeptor-Inhibitoren) können als Nebenwirkung Nagelveränderungen hervorrufen. Meist sind sie zwar schmerzlos, können aber bei starker Ausprägung zu Nagelbettentzündungen und Nagelveränderungen führen, die für Betroffene stark belastend sind.

Die Erscheinungsbilder der Nagelveränderungen können sich unterschiedlich manifestieren. Das Risiko einer Nagelveränderung ist von der angewandten Tumortherapie abhängig. Patientenabhängige Risikofaktoren sind nicht bekannt.3

Konventionelle Chemotherapie: Farbveränderungen (Melanonychia, Leukonychia), Ablösung der Nägel vom Nagelbett (Onycholyse), Beau-Reil-Querfurchen oder Brüchigkeit der Nägel (Onychorrhexis)

Zielgerichtete Substanzen: Beeinträchtigung des Perionychiums (z. B. Nagelgeschwüre oder pyogene Granulome)

5. Xerosis cutis / Pruritus

Die Xerosis cutis bezeichnet eine fettarm-trockene, spröde Haut.3 Sie ist oft Auslöser des Pruritus. Der Pruritus (Juckreiz) tritt häufig erst ein paar Wochen nach Therapiebeginn auf und kann mit Erythemen oder akneiformen Exanthemen einhergehen.

Die Intensität und Dauer der Beschwerden ist abhängig von der jeweiligen Tumortherapie, der Kombination mit anderen Arzneimitteln und individuellen patientenabhängigen Faktoren. Die genaue Entstehungsweise ist unklar.

Juckreiz kann die Konzentrationsfähigkeit, den Schlaf sowie die Sexualität beeinflussen, sodass die Lebensqualität der Patienten stark eingeschränkt ist. Am stärksten belastend ist Pruritus in Kombination mit einem akneiformen Exanthem.

Es kann im Rahmen der medikamentösen Tumortherapie zwischen Hautreaktionen der frühen und der späten Phase unterschieden werden. Pruritus gehört in der Regel zu den Hautreaktionen der späten Phase und tritt gewöhnlich nach vier bis fünf Therapiewochen auf.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die das Entstehen eines Pruritus beeinflussen können:

  • Eine vorbestehende Xerosis cutis
  • Das Alter der Patienten
  • Mögliche Begleitmedikationen
  • Diabetes mellitus sowie sonstige Komorbiditäten

Eine optimale Prävention kann einen Pruritus oft verhindern. Die frühzeitige Diagnose ist ausschlaggebend und maßgeblich daran beteiligt, ob ein Patient die Tumortherapie weiter fortführt, da Präventionsmaßnahmen verhindern können, dass Patienten die Therapie abbrechen.3