Benzodiazepine und deren Derivate

Benzodiazepine sind Tranquilizer. Sie beruhigen, lösen Spannungszustände und helfen bei übermäßigen Angstgefühlen, haben aber keine antipsychotische Wirkung. Darüber hinaus wirken sie schlafanstoßend, muskelentspannend und krampflösend. In Abhängigkeit von der Dosierung tritt zunächst die sedierende Wirkung ein, bei höheren Dosen wirken Benzodiazepine schlafanstoßend bzw. -erzwingend.

Auf pharmakodynamischer Ebene wirken Benzodiazepine durch die Bindung an α-Untereinheiten von GABARezeptoren im Zentralnervensystem. Dadurch wird die Bindungsfähigkeit von GABA verstärkt und somit auch dessen hemmende Wirkung auf Weck- und Wachzentren im Gehirn. Dies führt zur Beruhigung und zum Schlafanstoß.

Bei Therapiebeginn kann es vorkommen, dass Benzodiazepine REM- und Tiefschlafphasen verkürzen. Dieser Effekt hebt sich bei längerer Einnahme wieder auf. Dennoch ist es mittlerweile erwiesen, dass die Schlafarchitektur bei längerer Einnahme deutlich gestört wird. Benzodiazepine können bei längerer Einnahme zu Gewöhnungs- und Abhängigkeitseffekten führen, was bei plötzlichem Absetzen zu Schlaflosigkeit und vermehrten REM-Phasen führen kann. Dies wiederum kann zur Folge haben, dass der Schlaf weniger erholsam wirkt.1

Beispiele für Benzodiazepine:

  • Lorazepam (Tavor), HWZ* 12–16 h
  • Flunitrazepam (Rohypnol), HWZ 15–30 h
  • Nitrazepam (Mogadan), HWZ 15–30 h
  • Brotizolam (Lendormin), HWZ 8–16 h
  • Lormetazepam (Noctamid) HWZ 4,5–7 h

*HWZ = Halbwertszeit: Zeit, nach der die Hälfte des im Körper befindlichen Arzneistoffes verstoffwechselt ist.

Weitere Benzodiazepine wie Diazepam und Oxazepam sind nicht als Schlafmittel indiziert, da ihre Wirkung sehr viel länger anhält. Manche Benzodiazepine können zur Anästhesie eingesetzt werden, da sie eine sehr kurze Halbwertszeit haben, zum Beispiel Midazolam. Typische Nebenwirkungen von Benzodiazepinen sind Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Einschränkung intellektueller Leistungsfähigkeit, Koordinationsstörungen, Appetitsteigerung und erhöhte Sturzgefahr durch die muskelrelaxierende Wirkung. Wegen letzterer Nebenwirkung gehören Benzodiazepine auch zu den sogenannten FRID (fall-risk-increasing drugs). Für diese wurde ein Faktor für die Erhöhung der Sturzgefahr errechnet. Für Diazepam ist der Faktor beispielsweise 2,02 – das bedeutet eine rund doppelt so hohe Sturzgefahr wie ohne Diazepam-Einnahme. Bekannte Wechselwirkungen von Benzodiazepinen treten vor allem mit zentral dämpfenden Substanzen wie Muskelrelaxanzien, Sedativa, Hypnotika und Neuroleptika, aber auch Alkohol auf. Diese äußern sich meist durch eine unkontrollierte Wirkverstärkung.1

Exkurs Barbiturate

Barbiturate waren früher das Schlafmittel der Wahl, sind aber heute wegen der geringen therapeutischen Breite (mögliche Anwendung als Suizidmittel) nicht mehr erlaubt. Bei Barbituraten traten zudem auch Abhängigkeiten und Gewöhnungseffekte auf. Sie wirken ebenfalls über die GABA-Rezeptoren. Heutzutage sind nur noch Phenobarbital als Antiepileptikum und Thiopental als Narkosemittel zugelassen.