Pflanzliche Arzneimittel

Zur Behandlung von Schlafstörungen in der Selbstmedikation werden seit Jahrhunderten verschiedenste Arzneipflanzen eingesetzt. In Form von Fertigarzneimitteln werden vor allem Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse sowie deren Kombinationen verwendet. Pflanzliche Arzneimittel entfalten oft erst nach einer kurzen Latenzzeit ihre volle Wirkung (ca. 1–2 Wochen). Pflanzliche Schlafmittel haben kein Missbrauchspotenzial. Ein Wermutstropfen: Nur für wenige Präparate bzw. deren individuelle Pflanzenextrakte gibt es eine umfassende produktspezifische Studienlage.

Baldrianwurzel und Baldrianwurzelextrakt

Baldriane bilden in der Pflanzenwelt ihre eigene Familie. Arzneilich verwendet wird allerdings nur die Wurzel des Echten Baldrians (Valeriana officinalis). Die Baldrianwurzel wird oftmals als Trockenextrakt und in Form von Tropfen, Filmtabletten oder Dragees verwendet. Auch als Arzneitee findet Baldrianwurzel Anwendung. Zu ihren Inhaltsstoffen gehören ätherische Öle, Sesquiterpene, Valepotriate, Flavonoide und Lignane. Es wird davon ausgegangen, dass das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe für die schlaffördernde Wirkung verantwortlich ist. In neuen Studien stechen vor allem einige Lignane hervor, die eine Affinität zu Adenosin-Rezeptoren zeigen. Die Lignane setzen an den gleichen Rezeptoren im Gehirn an wie der körpereigene Müdemacher Adenosin und verfügen somit über eine Adenosin-ähnliche, schlaffördernde Wirkung. Dies gilt jedoch nicht für alle Extrakte, denn es ist wichtig zu wissen: Baldrianextrakt ist nicht gleich Baldrianextrakt. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass nur aus Extrakten, die mit dem Extraktionsmittel Methanol aus der Pflanze gewonnen wurden, die schlaffördernden Lignane freigesetzt werden. Wurde stattdessen zur Extraktion das Lösungsmittel Ethanol genutzt, konnte die Lignan-Wirkung auf die Adenosin-Rezeptoren nicht festgestellt werden.17

Hopfenzapfen

Hopfenzapfen werden seit Jahrhunderten arzneilich eingesetzt. Der Hopfen stammt aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Für die Herstellung von Arzneimitteln interessant sind lediglich die getrockneten weiblichen Blütenstände. In diesen sind die wirksamen Bestandteile des Hopfens enthalten: Hopfenbittersäuren (Humulone und Lupulone) und sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Gerbstoffe und Xanthohumol. Hopfen wird als Tee eingesetzt und als Trockenextrakt in Form von Dragees und Tabletten angeboten. Es konnte nachgewiesen werden, dass Inhaltsstoffe aus Hopfen an Melatonin-Rezeptoren binden können, wodurch der Schlafdruck erhöht und die Körpertemperatur gesenkt werden kann.18

Hopfen wird häufig in Kombination mit Baldrian eingesetzt. Baldrian erhöht die Schlafbereitschaft durch die Wirkung der Schlaflignane an den Adenosin-Rezeptoren. Ergänzend fördert Hopfen ähnlich wie das körpereigene Melatonin das Schlafbedürfnis.

Die beiden relevanten physiologischen Schlafprozesse können somit positiv unterstützt werden (siehe Abb. 10).

Abb. 10: Wirkung von methanolischem Baldrian und Hopfen auf den Schlaf

Passionsblume und Melisse

Passionsblume wirkt schlaffördernd, spannungs- und angstlösend, mild beruhigend und leicht krampflösend. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Flavonoide und ätherische Öle. Welche Inhaltsstoffe der Passionsblume ihre Wirkung auslösen, ist nicht erforscht. Passionsblumenkraut-Trockenextrakte können als Tee und als Tabletten oder Kapseln eingesetzt werden.

Melissenblätter enthalten wiederum ätherisches Öl, das einen hemmenden Einfluss auf GABA-Transaminasen hat. Dieses ist für den Abbau von GABA verantwortlich. Daher verbleibt GABA länger am Wirkort und kann so schlaffördernd wirken. Als gesichert gilt dies jedoch nicht, es gibt nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung der Melisse.

Passionsblumenkraut ist in Form von Tees und Kapseln erhältlich.