5.1 Beratung bei Schlafstörungen

Bei der Beratung sollten zunächst einige grundsätzliche Fragen geklärt werden. Als Gedankenstütze kann dafür der Algorithmus „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ aus der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin8 (DGSM) herangezogen werden (Abb. 13).

Abb. 13: Algorithmus „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“

Als erstes sollte erfragt werden, wie stark die Beeinträchtigungen sind, die durch mangelnden Schlaf entstehen und welche Lebensbereiche davon betroffen sind. Wichtig ist auch zu wissen, ob die Probleme nur vorübergehend sind oder ob sie wiederholt auftreten beziehungsweise bereits länger andauern.

Dann kann gemeinsam mit dem Patienten überlegt werden, ob die Grundvoraussetzungen für einen gesunden Schlaf prinzipiell gegeben sind, ob also grundsätzlich regelmäßiger und ausreichend langer Schlaf möglich ist. Auch sollten die Gewohnheiten des Patienten hinsichtlich der „Schlafhygiene“ hinterfragt werden.

Im nächsten Schritt geht es weiter um die Ursachenforschung. So sollte erfragt werden, ob der Patient Arzneimittel einnimmt, die zu Schlafstörungen führen können oder ob er andere Lebensmittel/Genussmittel konsumiert (z. B. Alkohol, Koffein, Nikotin), die seine Probleme erklären könnten.

Ebenso sind Informationen zu möglichen Begleiterkrankungen wichtig sowie zu den aktuellen Lebensumständen (familiäre oder berufliche Belastungen können ebenso Schlafstörungen verursachen wie verschiedene körperliche Erkrankungen).

Schließlich sollte erfragt werden, ob der Patient mit seinen Schlafproblemen bereits in Behandlung ist oder war und welche Therapieversuche schon unternommen wurden.

In der Beratung sollten auch die natürlichen Mechanismen berücksichtig werden, die den Schlaf beeinflussen, dass also beispielweise die Schlafdauer mit zunehmendem Alter abnimmt und bei älteren Menschen schon ein längerer Mittagsschlaf zu (Ein)Schlafproblemen am Abend führen kann.

Führt das Beratungsgespräch zu dem Ergebnis, dass ein Therapieversuch in der Selbstmedikation möglich ist, so gilt es, das geeignete Arzneimittel auszuwählen. In der Selbstmedikation kommen H1-Antihistaminika oder pflanzliche Arzneimittel in Frage.23

Wichtige Hinweise für den Patienten zu H1-Antihistaminika:

  • Einnahme ca. 1 Stunde vor dem Schlafengehen
  • Ausreichende Ruhezeit erforderlich, ansonsten Gefahr des Hangover
  • Nach der Einnahme Einschränkung von Aufmerksamkeit und Verkehrstüchtigkeit möglich
  • Kontraindikationen/Wechselwirkungen berücksichtigen (z. B. Engwinkelglaukom, Prostatahyperplasie, Vorsicht bei Leberfunktionsstörungen, nicht zusammen mit MAO-Hemmern, nicht mit Alkohol)
  • Nur kurzfristig einnehmen, sonst Abhängigkeit möglich

Wichtige Hinweise zu pflanzlichen Arzneimitteln:

  • Regelmäßige Einnahme erforderlich
  • Maximale Wirkung tritt oft erst mit einer Latenz von 1–2 Wochen ein

Zusätzlich sollten allen Patienten mit Schlafproblemen allgemeine Verhaltenstipps zur Schlafhygiene gegeben werden:

  • Jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen
  • Nur schlafen gehen, wenn man wirklich müde ist
  • Vor dem Schlafengehen entspannungsfördernde Schlafrituale einführen
  • Regelmäßig Sport treiben – aber nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen
  • Keine koffeinhaltigen Getränke/Medikamente innerhalb von 4 Stunden vor dem Schlafengehen
  • Kein Rauchen vor dem Schlafengehen
  • Alkoholkonsum einschränken
  • Mittagsschlaf vermeiden
  • Vor dem Schlafengehen Umgang mit Smartphone, Computer etc. reduzieren
  • Bett nur zum Schlafen (nicht zum Arbeiten, Essen, Fernsehen) aufsuchen
  • Schlafzimmer abdunkeln und richtig temperieren (ideal: 15–18 °C)

Patienten sollten immer dann an einen Arzt verwiesen werden, wenn Begleiterkrankungen bestehen oder die Schlafstörungen länger bestehen und zu starken Einschränkungen führen.

Bei älteren Patienten, bei denen die Schlafstörungen augenscheinlich nicht durch organische/psychische Erkrankungen oder Arzneimittel verursacht werden, sollte immer daran gedacht werden, dass im Alter die körpereigene Melatoninproduktion nachlässt, was zu Schlafproblemen führen kann.

Hier kann eine Behandlung mit retardiertem Melatonin (Circadin®) indiziert sein, da der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt wird und die positive Wirkung darauf auch nach Absetzen des Arzneimittels anhält.

Solche Patienten können also gemeinsam mit dem Arzt erörtern, ob eine Behandlung mit retardiertem Melatonin in Frage kommt. Hier kann bei der Beratung in der Apotheke ein entsprechender Hinweis erfolgen.