2.2 Klassifikation von Schlafstörungen

Schlafstörungen werden allgemein unter dem Begriff Dyssomnien zusammengefasst. Die offizielle Einteilung der Schlafstörungen erfolgt nach der Internationalen Klassifikation der Schlafstörungen (International Classification of Sleep Disorders, ICSD-3) und definiert sechs Gruppen:5,6,7

1. Insomnien

2. Schlafbezogene Atmungsstörungen

3. Hypersomnien zentralnervösen Ursprungs 

4. Zirkadiane Rhythmusstörungen

5. Parasomnien

6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Unter Insomnie versteht man mangelhaften beziehungsweise ungenügend erholsamen Schlaf. Hypersomnie bezeichnet ein anhaltend abnorm hohes Schlafbedürfnis (dazu gehört beispielsweise auch die Narkolepsie). Parasomnien zeichnen sich dadurch aus, dass der Schlaf durch ungewöhnliche körperliche Phänomene oder Verhaltensweisen unterbrochen wird (in diese Gruppe gehört z. B. das Schlafwandeln).

2.2.1 Primäre Insomnie

Eine primäre Insomnie äußert sich durch Ein- und/oder Durchschlafstörungen beziehungsweise durch einen nicht erholsamen Schlaf, was sich in einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit am Tag zeigt:

Allgemeine Insomniekriterien (nach ICSD-2)

  • Eine Beschwerde über Einschlafschwierigkeiten, Durchschlafprobleme, frühmorgendliches Erwachen oder Schlaf von chronisch nicht erholsamer oder schlechter Qualität. Bei Kindern wird die Schlafschwierigkeit zumeist durch die Erziehungsperson bemerkt und kann darin bestehen, dass die Kinder nicht zu Bett gehen wollen oder nicht unabhängig (d. h. im eigenen Bett) von ihren Eltern schlafen können.
  • Die genannte Schlafschwierigkeit tritt auf, obwohl adäquate Möglichkeiten und Umstände dafür vorhanden sind, genügend Schlaf zu bekommen.
  • Zumindest eine der folgenden Formen von Beeinträchtigungen der Tagesbefindlichkeit/Leistung, die auf die nächtliche Schlafschwierigkeit zurückgeführt werden kann, wird vom Patienten berichtet:
    • Müdigkeit (Fatigue) oder Krankheitsgefühl
    • Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Konzentration oder des Gedächtnisses
    • Soziale oder berufliche Einschränkungen oder schlechte Schulleistungen
    • Irritabilität oder Beeinträchtigungen der Stimmung (z. B. Gereiztheit)
    • Tagesschläfrigkeit
    • Reduktion von Motivation, Energie oder Initiative
    • Erhöhte Anfälligkeit für Fehler, Arbeitsunfälle oder Unfälle beim Führen eines Kraftfahrzeugs
    • Spannungsgefühle, Kopfschmerzen oder gastrointestinale Symptome als Reaktion auf das Schlafdefizit
    • Sorgen um den Schlaf

Abb. 5: Insomniekriterien nach S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf“ der DGSM8

Bei der Untersuchung durch einen Arzt müssen organische oder psychische Erkrankungen als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden. Zur Diagnose einer Insomnie wird teilweise ein Auftreten der genannten Symptome über mindestens vier Wochen definiert (ICD-10, DSM-IV-TR)9,10, die internationale Klassifikation nach ICSD-3 beschreibt hingegen eine „chronische Unerholsamkeit oder schlechte Schlafqualität“ als ausreichend zur Diagnosestellung.