4 PPI und Herzgesundheit

Die Häufigkeit von Herzerkrankungen (Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen) nimmt weiter zu und eine Trendwende ist angesichts der immer älter werdenden deutschen Bevölkerung nicht zu erwarten.15 Gesundheitsfördernde Verhaltensweisen wie ausreichend Bewegung, Normalisierung des Körpergewichts und gesunde Ernährung können dem entgegenwirken, werden aber häufig nur unzureichend umgesetzt. Die Einnahme von Medikamenten wie PPI, Begleitumstände wie Stress und Erkrankungen wie Diabetes mellitus können die Versorgung mit herzwichtigen Nährstoffen (s. Tabelle) zusätzlich herabsetzen.

Bedeutung von Mikronährstoffen für die Herzgesundheit

Mikronährstoff Funktion Besonderer Bedarf bei
Kalium
  • Elektrolytgleichgewicht
  • Regulation des Wasserhaushalts
  • Beteiligung an der Erregung von Nerven und Muskeln
  • Regulation der Kontraktion der Herzmuskulatur
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Fastenkuren
  • Diabetes
Magnesium
  • Regulation der Muskelfunktion
  • Aktivator und Bestandteil verschiedener Enzyme
  • Energiegewinnung und -bereitstellung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Starkes Schwitzen
  • Stress
Folsäure
  • Bildung und Reifung der Blutzellen
  • Zellteilung, Wachstum
  • Abbau von Homocystein
  • Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schwangerschaft
Vitamin B12
  • Cofaktor vieler Enzyme
  • Blutbildung
  • Abbau von Homocystein
  • Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Alter
Vitamin B3/Niacin
  • Cofaktor zahlreicher Enzyme im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel
  • Antioxidative Wirkung
  • Energiegewinnung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verdauungsstörungen (verminderte Aufnahme)
Coenzym Q10
  • Umwandlung von Nahrungsenergie in körpereigene Energie
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Alter (körpereigene Bildung lässt ab dem 20. Lebensjahr nach)

Auswirkungen von Defiziten/Imbalancen auf die Herzgesundheit

Zu den wichtigsten Funktionen von Magnesium zählt die Aufrechterhaltung der Ionenverteilung (hohe intrazelluläre Kalium- und niedrige Natrium- und Calciumkonzentrationen). Diese Funktion erfüllt Magnesium als Cofaktor wichtiger Enzyme, wie der Na+/K+-ATPase. Damit spielt Magnesium für die physiologische Erregbarkeit und regelmäßige Kontraktion des Herzmuskels eine zentrale Rolle. Zusätzlich reguliert Magnesium die Aktivität von Kalium-Kanälen, wie dem schnellen verzögert gleichrichtenden K-Kanal. Magnesium senkt dessen Aktivität und wirkt damit Rhythmusstörungen durch Modulierung der Dauer von Aktionspotentialen und der Erregbarkeit der Herzmuskelzellen entgegen.16–17

Darüber hinaus senkt Magnesium durch seinen Einfluss auf Kalium-Protonen-Austauscher die Kaliumausscheidung über die Nieren. Ein Magnesiummangel geht daher mit einer erhöhten Kaliumausscheidung einher und begünstigt ein Kaliumdefizit. Eine nicht durch andere Faktoren erklärte Hypokaliämie kann als Hinweis auf einen Magnesiummangel dienen.16–17

Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, die länger als zwei Wochen PPI eingenommen haben, zeigte eine Untersuchung deutlich niedrigere Magnesiumspiegel als bei Patienten ohne Behandlung mit PPI.18 Als wesentliche Ursache für die Arrhythmien betrachten die Autoren die Interaktion von Magnesium, Kalium und Calcium – vor allem die Regulation der Kalium- und Calciumkanäle der Herzmuskelzellen.

Bereits 2014 und 2015 durchgeführte Metaanalysen bestätigen den Zusammenhang zwischen der Einnahme von PPI und herabgesetzten Magnesiumwerten.19–20 Bei längerer Einnahme von PPI ermittelten sie ein 40–80 % erhöhtes Risiko für eine Hypomagnesiämie. Die Autoren geben die Empfehlung, diesen Zusammenhang besonders bei Patienten mit erhöhtem Risiko für kardiale Ereignisse zu berücksichtigen.

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