Rechtliche Hintergründe zur Pille Danach

Im folgenden Kapitel erhalten Sie Wissenswertes zu den rechtlichen Hintergründen der Pille Danach, welche für Ihre Beratungsgespräche auch von großer Bedeutung sind.

Dokumentation

Sie sind gesetzlich nicht verpflichtet, das Beratungsgespräch zur Pille Danach schriftlich zu dokumentieren. Eine Checkliste (siehe Kapitel 6) kann Ihnen als Hilfestellung für das Beratungsgespräch dienen.

Datenschutzbestimmungen

Es dürfen keine personenbezogenen Daten von Kundinnen aufgenommen, Dokumente fotokopiert und zudem noch abgelegt werden. Dies ist ein klarer Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung. Wenn Sie Ihr Beratungsgespräch dokumentieren möchten, dann unterzeichnen Sie z. B. die entsprechende Checkliste oder anonymisierte Notizen selbst. Sie können z. B. den Kassenbon (nicht den EC-Beleg!) an das Beratungsprotokoll anheften. Dies ermöglicht Ihnen ein späteres Zuordnen des abgegebenen Präparates.

Verschwiegenheitspflicht

Das Recht auf Verschwiegenheit gilt entsprechend § 203 Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB) für alle Apotheken-Kunden, somit auch für Minderjährige. Auch Kammergesetze, Berufsordnungen und die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) enthalten entsprechende Abschnitte, in denen die Forderung nach Vertraulichkeit klar formuliert ist.

Diskretion

Gemäß § 4 Abs. 2a ApBetrO muss die Vertraulichkeit der Beratung gewahrt werden, sodass das Mithören des Beratungsgesprächs durch andere Kunden weitestgehend verhindert wird. Versuchen Sie auch im Notdienst die Vertraulichkeit der Beratung so gut wie möglich zu wahren.

Abgabe an Minderjährige

Entsprechend ihrer Zulassung gibt es für die Pille Danach keine Altersbeschränkungen. Die Pille Danach ist für alle Frauen im gebärfähigen Alter zugelassen. Minderjährige gelten zwar nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) als beschränkt geschäftsfähig, dürfen aber selbstständig Geschäfte eingehen. Durch ein sorgfältiges Beratungsgespräch können Sie der nach Berufsordnung für Apotheker geforderten Sorgfaltspflicht für die Abgabe von Medikamenten an Minderjähre nachkommen.

Erstattung

Die Pille Danach ist auch als OTC-Produkt bis zum vollendeten 22. Lebensjahr erstattungsfähig (siehe Änderung des § 24a Sozialgesetzbuch V (SGB V)). Erforderlich ist hierfür ein vom Arzt ausgestelltes GKV-Rezept. Frauen zwischen 18 und 20 Jahren müssen die gültige Rezeptgebühr zuzahlen.

Haftung

Bei der Abgabe von Arzneimitteln hat der Apotheker seiner Pflicht auf Information und Beratung laut Apothekenbetriebsordnung nachzukommen. Es gelten die gleichen Haftungsbestimmungen wie bei jedem anderen OTC-Präparat. Mit einem vollständig durchgeführten Beratungsgespräch kommen Sie dieser Anforderung nach.

Abgabe auf Vorrat

Die Pille Danach ist ein Medikament für die Notsituation bei einer Verhütungspanne und sollte nur in diesem Falle abgegeben werden. Eine Abgabe auf Vorrat ist nicht vorgesehen, aber per Gesetz nicht ausgeschlossen.

Wiederholte Abgabe

Eine wiederholte Abgabe (auch im gleichen Zyklus) kann in Einzelsituationen erforderlich sein. Zum einen, wenn innerhalb von 3 Stunden nach Einnahme der Pille Danach Erbrechen auftritt, und zum anderen, wenn eine erneute Verhütungspanne (im gleichen Zyklus) passiert. Denken Sie daran: Im Falle einer erneuten Verhütungspanne im gleichen Zyklus besteht ein 4-fach erhöhtes Schwangerschaftsrisiko.21 Um das Risiko zu senken, sollte auf jeden Fall die Pille Danach empfohlen werden. Bei der erneuten Abgabe ist darauf zu achten, dass die gleiche Pille Danach wie beim ersten Mal verwendet wird, um mögliche Wechselwirkungen auszuschließen.

Abgabe an Dritte

Eine Abgabe an Dritte kann in Einzelfällen erfolgen, wenn die Person alle für das Beratungsgespräch erforderlichen Fragen beantworten kann.